Objektbeschreibung
T-förmiger Spazierstock aus ungeschältem Holz. Am Stock sind Spuren von entfernten Verästelungen zu sehen. Griff und Stock sind aus einem Stück bzw. einer Astgabelung. Beide Enden des Griffs sind am Rand jeweils leicht beschnitzt, um sie zu glätten.
Der Spazierstock ist ein „Beiprodukt" einer Nieheimer Flechthecke. In Nieheim in Nordrhein-Westfalen wurden über Jahrhunderte sehr stabile Hecken aus lebenden Haselruten mit dünnen Weidenruten verknotet und verflochten. Ulrich Pieper, Vorsitzender des Nieheim e.V. - AK Nieheimer Flechthecken schrieb dazu: „Dabei ist die Technik des Knotens besonders wichtig: Ein etwa finderdicker Weidenzweig wird mit dem dicken Ende durch das zu bindende Astwerk gesteckt. Die weiche Spitze wird zu einer Schlaufe geformt, das stabilere Ende über die Haselnusszweige gebogen. Beide Enden des Weidenzweiges werden mit den linken Hand fixiert. Mit der rechten Hand wir der überstehende Rest fast wie eine Kordel gedreht, bevor er mehrmals um die zuerst geformte Schlaufe geschlungen und festgesteckt wird. Es gibt kaum schriftliche Anleitungen für die Ausführung dieser Arbeiten." (Ulrich Pieper: Nieheimer Flechthecke - immaterielles Kulturerbe der UNESCO. In: Kreis Höxter Jahrbuch 2020, S. 231).
Solche natürlich gewachsenen Weidenzäune sind nachhaltig. Bis zu 1,50 m hoch und mit viel Laub bewachsen bieten sie Tieren auf der Weide Schatten. Die Nüsse und das Laub der Hecken sind Futtermittel. Zudem dienen die dichten Hecken als Nistplätze für Vögel, Igel, Mäuse, Insekten sowie andere Tiere und tragen so zur Biodiversität bei.
Seit 2018 ist das Wissen darum, wie man diese Hecken baut, als Immaterielles Kulturerbe im Bundesverzeichnis der Deutschen UNESCO-Kommission anerkannt. Für die Ausstellung „ALL HANDS ON: Flechten" (ab 2022 im MEK) fertigte der Heimatverein Nieheim e.V. - AK Nieheimer Flechthecken als Leihgabe das Modell einer solchen Flechthecke. Im Zuge dessen schenkte der Verein dem MEK den Spazierstock, der einer Flechthecke entstammt. Die Flechthecken müssen regelmäßig beschnitten und ausgedünnt werden. Dabei ergeben sich solche Holzstücke, die in der Form eines Spazierstocks gewachsen sind.