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Objektbeschreibung

Jan Toorops Gemälde Hetäre von 1890 gehört zu den Hauptwerken des niederländischen Künstlers aus seiner wichtigsten Schaffensphase und ist zugleich ein Schlüsselwerk des europäischen Symbolismus. Bereits zu Lebzeiten war der Künstler häufig auf Ausstellungen in den Kunstmetropolen Paris, Brüssel oder Wien vertreten. Seine Hetäre wurde unter anderem 1899 auf der großen Dresdner Retrospektive gezeigt. Durch seinen starken Einfluss auf Künstler wie Gustav Klimt und Piet Mondrian gilt Toorop als eine zentrale Figur in der europäischen Kunst um 1900. Sein Gemälde Hetäre zeugt von einer ausgesprochenen Experimentierfreude und seinen außergewöhnlichen technischen Fertigkeiten. Die Malweise ist frei, dynamisch und zeichnet sich durch einen originellen Umgang mit Farbe aus. Die Kombination diverser Techniken hat im Aufeinandertreffen unterschiedlichster Bildelemente ihre inhaltliche Entsprechung. Die rätselhafte Darstellung, deren Mittelpunkt eine märchenhafte Frauenfigur bildet, entzieht sich einer einfachen Deutung. Der Titel Hetäre bezieht sich auf eine Kurtisane aus dem Altertum, das Bild ist jedoch auch unter dem Titel Venus des Meeres bekannt. Nicht zuletzt scheint Toorop in diesem Gemälde Einflüsse der Kultur Javas verarbeitet zu haben, wo er bis zu seinem elften Lebensjahr aufwuchs. Vergleichbar den Werken Paul Gauguins kann es daher als ein wichtiges Zeugnis der Rezeption von außereuropäischen Kulturen durch die europäische Moderne gelten. | Ralph Gleis