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Stichkappengewölbe bei Lampenlicht


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Objektbeschreibung

Rechts außerhalb der Zeichnung befindet sich eine Lichtquelle, die unter einem Bogen hindurch ihren Schein in das von Stichkappen unterbrochene Tonnengewölbe wirft. Wie in einem eigenwilligen Objektiv verzogen krümmt sich der Raum. Dem Zeichner gegenüber befindet sich eine rundbogige Öffnung, deren unteren Abschluss etwas wie ein leicht auskragendes Gesims bildet. Offenbar schaut man hier durch den oberen Teil einer Toreinfahrt, denn außerhalb lassen sich zwei Gaslaternen, eine rustikagegliederte Fassade mit dunklen Fensterhöhlen, daneben ein Stück hell beschienener Fassade sowie eine undeutlich auszumachende Masse - wohl Bäume ausmachen. Das wesentliche Interesse Menzels liegt jedoch im Innern des Gewölbes. Mit Hilfe des Lichts teilt er den Raumfluss in ein Gefüge geometrischer Formen auf. Die zeichnerische Untersuchung des Objektes läuft geradezu asketisch ab, doch eine kleine Erzählung erscheint im Ausblick und spricht von einer nächtlichen Stadt. Damit bricht Menzel das fast mathematische Dasein der Zeichnung auf. Wie er sich nächtens immer wieder Dingen in eigenwilliger Perspektive und Menschen in vielerlei Situationen nähert, so analytisch ist in der vorliegenden Zeichnung der Struktur auf den Grund gegangen worden. Ähnliche Gewölbe im grellen, schlagenden Licht, wie auch die ruhende standfeste Form, der gegebene Durchblick lassen unweigerlich Gedanken an Radierungen Giovanni Battista Piranesis aus den "Vedute di Roma" und den "Carceri" wach werden.

Text: Andreas Heese, in: Ausstellungskatalog: Das Labyrinth der Wirklichkeit, hg. von Claude Keisch und Marie Ursula Riemann-Reyher, Nationalgalerie Berlin, 1996/97, S. 321ff., Kat. 181 (mit weiterer Literatur)