Konsumkunst (Auszüge)
Objektbeschreibung
Natalia Lach-Lachowicz, die sich kurz Natalia LL nannte, war eine Pionierin der feministischen Kunst in Polen. In ihren konzeptuellen Fotografien, Zeichnungen, Videoarbeiten und Installationen setzte sich die Künstlerin schon in ihrem Frühwerk mit dem Thema der Weiblichkeit in einer männlich dominierten Gesellschaft auseinander. LL nutzte das Medium der Fotografie, um kleine, gewöhnliche, private Handlungen wie Essen, Schlafen, Sex, Ausruhen und Sprechen abzubilden, und führte dafür den Begriff der „permanenten Registrierung“ ein. Sie betrachtete ihre Kunst nicht als eine vom Alltag losgelöste Sphäre. Diese Haltung war in sozialistischen Ländern durchaus politisch, hielten doch gerade kritisch eingestellte Menschen das Private möglichst aus der Öffentlichkeit fern, um sich keinen Verdächtigungen auszusetzen. Anfang der 1970er-Jahre begann LL eine Serie von Film- und Fotoarbeiten mit dem Titel „Consumer Art“ (1972–1975), mit der sie die Kommerzialisierung von Frauenkörpern durch die Pornografie kritisierte. Der vorliegende Film ist ein Zusammenschnitt unterschiedlicher Arbeiten. Er zeigt junge weibliche Modelle, die mit aufreizenden Gesten eine Vielzahl von Lebensmitteln, die durch ihre Formen sexuell gedeutet werden können, essen und dabei pornografisch kodierte Handlungen nachahmen. Die Frauen blicken verführerisch in die Kamera, während sie das erotisch aufgeladene „Spiel“ mit Bananen, Würstchen oder Pudding performen. Ihr Verhalten schwankt zwischen Verführung und Humor. Sie kehren die Dynamik des männlichen Blicks und des Konsums um und übernehmen die Kontrolle über die Situation. | Maike Steinkamp