Logo

FacebookAuf Facebook teilen

Objektbeschreibung

Nicht fertiggestellter, geflochtener Bienenkorb. Laut Erwerbungsbuch wurde er im Städtchen Zarewo/Zarevo (griech. Name war Wasiliko) südlich von Burgas erworben.

Der Ethnologe Christo Vakarelski schreibt, dass Bienenzuckt im beginnenden 20. Jahrhundert nur eine geringe Bedeutung für den Lebensunterhalt der Menschen hatte und "nur eine Liebhaberbeschäftigung" war. In ganz Bulgarien waren zu dieser Zeit die sogenannten "Trbvni" verbreitet, die aus verschiedenen Reben und Wurzeln geflochten und von innen und außen mit einer Mischung aus Lehm und Kuhmist verschmiert wurden. Bei Kälte wurden sie mit Stroh bedeckt. (vgl. Objekt II B 4280). Vgl. zudem die von Küppers angefertigten Fotos mit Bienenkörben (VIII Eu 3799-VIII Eu 3801).

Das Objekt aus dem Osten Bulgariens wurde im Rahmen der letzten von insg. fünf Sammelreisen gesammelt, die der Journalist Gustav-Adolf Küppers im Jahr 1939 unternahm. Küppers war u.a. im Auftrag der Abt. "Eurasien" (später Abt. "Europa") des damaligen Museums für Völkerkunde unterwegs. An mehreren Orten nahm er auch Wachswalzen für die Phonogrammabteilung des Museums auf. Zudem betätigte er sich im Zeichen der nationalsozialistischen Rassenpolitik: Für das Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik fertigte er in vielen Dörfern Fingerabdrücke der Bewohner*innen an. Zudem machte er Portraitaufnahmen, die die vermeintlich typischen Physiognomien der Menschen zeigten und taxierten. Diese veröffentlichte er auch in nationalsozialistischen Periodika, wie "Volk und Rasse".

Ein Hintergrund der Sammlungstätigkeit von Küppers war die Industrialisierung und Urbanisierung der Staaten Südosteuropas und die mit ihr einhergehende soziale und kulturelle Differenzierung. In der Landwirtschaft wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zunehmend Maschinen und Technisierung eingeführt, die die vorherigen Verfahren und Instrumente ablösten. Zugleich verliefen diese Prozesse gerade in Bulgarien eher schleppend; die technische Ausstattung der meisten Betriebe blieb schlecht und noch 1930 waren 74% der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. Dennoch bestand eine wesentliche Motivation von Küppers in der Dokumentation eines - seiner Meinung nach - dem Aussterben geweihten bäuerlichen und dörflichen Zusammenlebens mitsamt seiner materiellen Kultur.