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Objektbeschreibung

Teil eines verm. größeren Teppichs aus rot, weiß, gelb, grüner Wolle.

Laut dem Reisetagebuch der Tochter des Sammlers, Heimtraut Küppers, besuchten Küppers und seine Begleiter*innen die Stadt Kotel in Nord-/Zentralbulgarien, wo sie sich vor allem für die örtliche Teppichweberei interessierten. Dem Ethnologen Christo Vakarelski zufolge ist die Stadt Kotel für ihre hochwertigen Kilími bekannt, die hier mit komplexeren, vertikalen Webstühlen hergestellt werden. Die ganze Nomenklatur der zu dieser Art der Teppichherstellung notwendigen Geräte, Formen, hergestellten Stoffe und Begriffe sind ihm zufolge nicht einheimisch, sondern aus dem Türkischen und Persischen übernommen. Sie sind somit ein Teil eines osmanischen Erbes in dem bis 1878 osmanischen Bulgarien. (Vakarelski, 154, 397f.; vgl. auch Velev, Bulgarski kilimi do kraja na XIX.vek, Sofia 1960.)   

Dieser Teppich wurde im Rahmen der letzten von insg. fünf Sammelreisen gesammelt, die der Journalist Gustav-Adolf Küppers im Jahr 1939 unternahm. Küppers war u.a. im Auftrag der Abt. "Eurasien" (später Abt. "Europa") des damaligen Museums für Völkerkunde unterwegs. An mehreren Orten nahm er auch Wachswalzen für die Phonogrammabteilung des Museums auf. Zudem betätigte er sich im Zeichen der nationalsozialistischen Rassenpolitik: Für das Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik fertigte er in vielen Dörfern Fingerabdrücke der Bewohner*innen an. Zudem machte er Portraitaufnahmen, die die vermeintlich typischen Physiognomien der Menschen zeigten und taxierten. Diese veröffentlichte er auch in nationalsozialistischen Periodika, wie "Volk und Rasse".

Ein Hintergrund der Sammlungstätigkeit von Küppers war die Industrialisierung und Urbanisierung der Staaten Südosteuropas und die mit ihr einhergehende soziale und kulturelle Differenzierung. In der Landwirtschaft wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zunehmend Maschinen und Technisierung eingeführt, die die vorherigen Verfahren und Instrumente ablösten. Zugleich verliefen diese Prozesse gerade in Bulgarien eher schleppend; die technische Ausstattung der meisten Betriebe blieb schlecht und noch 1930 waren 74% der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. Dennoch bestand eine wesentliche Motivation von Küppers in der Dokumentation eines - seiner Meinung nach - dem Aussterben geweihten bäuerlichen und dörflichen Zusammenlebens mitsamt seiner materiellen Kultur.