Objektbeschreibung
Hochformat, Unikat. Gruppenporträt dreier Kinder, zwei Jungen stehend, davor ein Mädchen sitzend. Alle drei schauen frontal in die Kamera. Das Mädchen im Alter von circa 7 Jahren trägt ein gestreiftes Kleid mit Rüschen an den Schultern und langen Ärmeln, das am Oberkörper gesmokt ist. Ein Gürtel betont die Taille. Spitzeneinlassungen am Brustbein. Eine Kette liegt auf dem hochgeschlossenen Kragen auf. Die Haare des Mädchens sind streng nach hinten gekämmt, vermutlich zu einem Dutt gebunden. Rechts hinter ihr ein etwa gleichaltriger Junge mit kurzen Haaren, der ebenfalls ein gestreiftes Hemd trägt. Seine rechte Hand ruht auf der rechten Schulter des Mädchens. Links hinter dem Mädchen ein circa 11 Jahre alter Junge mit kurzgeschorenen Haaren, der einen dunklen Anzug sowie ein weißes Hemd mit Stehkragen trägt. Seine linke Hand ruht auf der linken Schulter des Mädchens. Der Hintergrund ist nur schwer zu erkennen, eventuell eine längsgestreifte Tapete. Die Fotografie wird umrahmt von einem in der Höhe abgesetzten, goldenen Rand, auf dem neben schwarzer Ornamentik auch der Text (von oben im Uhrzeigersinn) „Hamburg – Photographie Automat „Bosco“ – Conrad Bernitt – Automatisch hergestellt.“ zu lesen ist.
Auf der Rückseite aufgedruckt ist eine Darstellung des Bosco-Automaten sowie die Darstellung einer Frau, die gerade vor dem Automaten eine Aufnahme von sich macht. Darüber der Schriftzug „Neueste Erfindung“. Neben der Darstellung die Aufschrift „Dieses mechanische Kunstwerk liefert Jedem nach Einwurf der vorgeschriebenen Münze seine Photographie mit Rahmen nach ca. 3 Minuten“. Auf dem Rand aufgedruckt (im Uhrzeigersinn): „Alleiniger Fabrikant u. Erfinder - D.R. Patent - Conrad Bernitt, Hamburg -. Eilbeckerweg 35.“
Bosco-Ferrotypien sind eine frühe Form der Automatenfotografie. Dies war möglich, da der Bildträger – das mit Lack beschichtete Eisenblech - durch die Mulde gleichzeitig als Wanne für die Entwicklungs- und Fixierflüssigkeit diente. Die Bleche befanden sich in einem vom Hamburger Conrad Bernitt erfundenen und 1890 zum Patent angemeldeten Automaten. Durch Zahnräder wurde das Plättchen nach dem Belichten weitertransportiert. Die Entwicklung der Fotografie dauerte circa 3 Minuten, wobei das Plättchen im Anschluss noch trocknen musste. Solche Automaten waren um 1900 auf Jahrmärkten oder anderen Vergnügungsorten wie dem Münchner Löwenbräu-Keller beliebt. Der Erfinder Conrad Bernitt gab dem Automaten den Namen „Bosco“ und spielte damit auf den Zauberkünstler Bartolomeo Bosco an, der aus Italien stammend in ganz Europa (und in seiner Wahlheimat Dresden) bekannt war. Über die dargestellten Personen und die Herkunft der hier vorliegenden Bosco-Ferrotypie ist nichts bekannt. Die Umverpackung aus Pappe, in welcher die Bosco-Ferrotypie geschützt transportiert werden konnte, ist nicht erhalten.
Eine Bosco-Ferrotypie mit identischem Aufdruck auf der Rückseite ist im Malmö Museum (Inventarnummer PAA 003824, SFT 000073). Die Malmöer-Boscotypie ist 1896 im Zusammenhang mit der Industrieausstellung in Malmö entstanden. Ob der Aufdruck der Rückseite Rückschlüsse auf eine genauere Datierung erlaubt, ist nicht klar.