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Objektbeschreibung

Hochformat, Unikat. Porträt, Hüftbild, das einen jungen Mann zeigt. Die Daguerrotypie ist in schlechtem Zustand. Im ovalen Bildausschnitt ist mittig ein junger Mann mit ohrenlangen Haaren zu sehen, der frontal aus der Fotografie herausblickt. Er trägt ein helles Hemd mit Stehkragen, eine Krawatte und ein dunkles Jackett. Sein linker Arm ist angewinkelt, die linke Hand verschwindet im Jackett. Die rechte Hand liegt unter dem linken Arm. Typisch für die frühe Porträtfotografie ist der gemalte Hintergrund. Zur Rechten des Dargestellten zeigt dieser eine Tanne, direkt über ihm eine Säule mit floralem Kapitell (eine zweite Säule ist erst zu erkennen, wenn man die Glasabdeckung entfernt) und zwei Rundbögen sowie in der Ferne eine Stadt mit Landschaft. Im unteren Bereich ist eine Balustrade angedeutet.
Auf der Rückseite Beschriftungen in drei verschiedenen Handschriften:
Oben rechts: Herrn Apotheker Brill ????????????????, darunter  in anderer Schrift „Erfurt, 1848,“. Unten rechts: Jean Brill als Apothekarlehrling in Erfurt. Links daneben mit Kugelschreiber später erläuternd ergänzt: „Tante Lotte Brill’s Schwiegervater (Später Eiterfeld Krs. Fulda).“

Durch die Aufschrift auf der Rückseite, dass die Fotografie in Erfurt entstand und durch den Abgleich mit Stadtansichten Erfurts lässt sich die Stadt auf dem gemalten Hintergrund als Erfurt identifizieren mit der Zitadelle Petersberg, der Domkirche St. Marien und der Severikirche.
Laut dem Heimatblatt "Hessenland", erstes Januarheft 1916 verstarb der Apotheker Jean Brill 1915 im Alter von 84 Jahren in Fulda (Quelle: Hessenland (30.1916) - ORKA (uni-kassel.de).
1989 weißt das Adressbuch der Stadt Fulda die Adresse Rhabanusstraße 32 als Wohnsitz des Rentners Jean Bill aus.

Die Daguerreotypie ist das erste fotografische Verfahren, das weite Verbreitung fand. Es ist nach Louis Daguerre benannt, dem Hauptentwickler der Technik. 1839 stellte Daguerre seine Erfindung der Öffentlichkeit unentgeltlich zur Verfügung.

Eine Daguerreotypie entsteht auf einer versilberten Kupferplatte. Im ursprünglichen Verfahren wird die Platte zuerst mit Joddampf lichtempfindlich gemacht. Anschließend wird sie in einer Kamera belichtet, wobei die anfängliche Belichtungszeit 30 Minuten betrug. Durch technische Fortschritte konnte sie später auf bis zu eine halbe Minute reduziert werden. Danach wird das Bild mit Quecksilberdämpfen entwickelt und mit einer Fixierlösung, oft Natriumthiosulfat, fixiert. Das resultierende Bild erscheint gräulich auf der spiegelnden Platte, sodass Betrachtende ihr eigenes Spiegelbild im Hintergrund sehen. Das Besondere bei diesem Verfahren ist außerdem, dass das aufgenommene Bild, je nach Einfallswinkel des Lichtes als Positiv oder Negativ sichtbar ist.

Da die Verfahrenstechnik giftige Substanzen wie Quecksilber und Zyankalilösungen verwendet, gefährdeten sie die Gesundheit der frühen Fotograf*innen, was zu vorzeitigen Todesfällen unter den Anwender*innen führte. Die entstandenen Bilder sind zwar äußerst scharf, aber auch sehr empfindlich auf Berührung und chemische Einflüsse, weshalb sie heute nur selten ausgestellt werden.

Die Daguerreotypie verbreitete sich vor allem in Europa und Nordamerika und wurde besonders für kleine Porträts von Einzelpersonen oder Gruppen verwendet. Sie knüpft an die Tradition der Porträtmalerei an. Um das Bild zu schützen, wurde es oft hinter Glas und in einen dekorativen Rahmen eingefasst. Manchmal wurden die Bilder nachträglich von Hand kolorier