Logo

FacebookAuf Facebook teilen

Objektbeschreibung

Vorzeichnung im Gegensinn für einen Kupferstich, den der Verleger Hieronymus Cock in Antwerpen herausgab. - In einer liederlichen Alchimistenküche sitzt links an einem Pult ein Mann in Gelehrtentracht, die auch zu Bruegels Zeit schon um ca. 100 Jahre veraltet war. Mit der rechten Hand zeigt er in sein aufgeschlagenes Buch, wo die Worte ALGHE MIST (alles Mist) zu lesen sind. Daß sich dies negative Urteil auf das Treiben vor ihm bezieht, beweist seine weisende linke Hand. Neben dem Pult ein bösartiger Narr, der mit dem Blasebalg mehrere leere Schmelztiegel umstößt. Neben ihm die Hausmutter, deren Beutel leer ist. Das letzte Goldstück wirft soeben ihr Mann in den Schmelztiegel - aber wir wissen: es ist alles umsonst. Der Goldmacher scheitert, die Kinder hungern und suchen vergeblich etwas Eßbares im Schrank. Im Fensterausschnitt sehen wir die Eltern mit allen drei Kindern (jede Person ist deutlich wiederzuerkennen) auf eine alte Frau zueilen, die sie als Vertreterin des christlichen Armenhauses barmherzig aufnimmt; das Haus ist mit Kreuzen versehen, im Stich wurde »l'ospital« daran geschrieben.
In dieser sehr realen Szene nimmt sich der altertümliche Gelehrte fremd aus. Er wird am ehesten verständlich bei Kenntnis der Bildtradition: in dem beliebten Blockbuch des 15. Jahrhunderts vom »Antichrist« fehlt nie die Szene: der Antichrist lehrt Gold machen. Die Einflüsterungen des Bösen verführen die schwachen, goldgierigen Menschen. Sie fallen in Armut, und ihr Sturz wäre rettungslos, finge nicht die christliche Nächstenliebe sie auf.

Text: Hans Mielke in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 182f., Kat. IV.21 (mit weiterer Literatur)