Tschutra, Weinflasche aus Holz
Objektbeschreibung
Gedrechselte, einseitig bemalte Rundflachflasche; vollständig mit Propfen; eindeutig erkennbar ist die Farbgestaltung inform einer ungarischen Trikolore.
Das Objekt gehörte zur Sammlung für Völkerkunde als Teil der Königlich-Preußischen Kunstkammer und war Teil des "Europäischen Schranks" im 1859 eröffneten Neuen Museum. Erworben wurde die Flasche am 10.3.1854 vom damaligen Generaldirektor Ignaz von Olfers.
Der Originaltitel des Objekts in der Kunstkammer lautete "Eine hölzerne ungarische Weinflasche". Später tauchte zusätzlich die Bezeichnung "Tschutra" auf, die im ersten Europa-Katalogbuch des Museums für Völkerkunde (1876) angegeben war.
Ob die Flasche aus dem Gebiet des heutigen Ungarns oder aus einem anderen Teil des damaligen Königreich Ungarns ans Museum kam, ist nicht zu ermitteln. Möglich wäre auch eine Herkunft aus Siebenbürgen, wo v.a. im Bürgertum und während der ungarischen Revolution von 1848/1849 die ungarische Nationalbewegung viele Anhänger hatte.
Holzflaschen wie diese waren in ganz Südosteuropa verbreitet. Auch im heutigen Deutschland sind Exemplare bereits aus dem frühen Mittelalter überliefert. Auch der Begriff und seine Geschichte verweisen auf eine große Verbreitung, da er vom Tükischen ("çotura") bis zum Italienischen ("ciotola") auf den gleichen Ursprung aus dem Griechischen zurückgeht. Unter den Ungarn hat sich der Begriff "Csutora", unter den Deutschen in der Region das Wort "Tschutra" etabliert.
Der Literatur zufolge wurde in Ungarn die Verbreitung des Gefäßes durch die Tatsache begünstigt dass es im 18. Jahrhundert Teil der Ausstattung der österreichisch-ungarischen Armee wurde.