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Objektbeschreibung

Der geniale Maler, Inbegriff barocken Überschwangs, dessen Bilder noch heute in erstaunlichem Maße mit Geschmackskriterien verurteilt oder gefeiert werden, zeigt sich in unserem Studienblatt als präziser Beobachter und getreuer Berichterstatter der Wirklichkeit. Es handelt sich um Einzelstudien, die später in Gemälden zur Anwendung kommen konnten, ein Verfahren, das fest in tradierten Werkstattverfahren verwurzelt war.
Wie aus seinem Testament hervorgeht, schätzte Rubens seinen Fundus an Zeichnungen, sowohl von eigener wie von fremder Hand, außerordentlich hoch. Er verfügte, daß dieser an denjenigen seiner Nachkommen übergehen sollte, der seinen Beruf ergreifen würde, und falls dies nicht der Fall sein würde, erst verkauft werden dürfe, wenn der jüngste 18 Jahre vollendet haben würde, was schließlich auch geschah. Diese Vorschrift zeigt, daß er seine Sammlung in erster Linie als Arbeitsmittel schätzte, aus dem er Anregung und Material für seine rastlose künstlerische Tätigkeit schöpfte.
Auch die Wagenstudien unseres Blattes verwendete Rubens nicht nur in Gemälden der Zeit um 1620, sondern noch über zehn Jahre später in einem weiteren Bild. H. Mielke führte aus, in welcher Weise dabei auch einem so nüchternen Motiv ein bedeutungsvoller Hintersinn beigelegt werden konnte.

Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 201, Kat. IV.45 (mit weiterer Literatur)