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Objektbeschreibung

Der anthropomorphe Holzsarg der Senosiris stammt aus der römischen Kaiserzeit (1. Jh. v. Chr. – 1. Jh. n. Chr.) und wurde in der Nekropole von Theben-West (Oberägypten) gefunden. Er besteht aus grundiertem und bemaltem Holz und setzt eine jahrtausendealte ägyptische Bestattungstradition fort, obwohl Ägypten zu dieser Zeit bereits Teil des Römischen Reiches war. 
Der Sarg ist in zwei Teile gegliedert, Wanne und Deckel. Das Gesicht der Verstorbenen ist idealisiert dargestellt: ruhig, zeitlos und ohne individuelle Züge. Sie wird mit einer schweren Perücke mit Schmuck dargestellt und trägt eine Art Diadem. Die gesamte Oberfläche des Sarges ist dicht mit religiösen Darstellungen und Texten bedeckt, die eine magische Funktion haben. Auf der Brust befindet sich ein breiter Schmuckkragen (Usech-Halskragen), der oben von zwei Horusfalken abgeschlossen wird. Unter dem Kragen ist ein geflügelter Skarabäus dargestellt – ein starkes Symbol für Wiedergeburt und tägliche Erneuerung. Der Skarabäus hebt die neue Sonne empor, an deren beide Seiten Schlangen zu sehen sind. Darunter folgen mehrere Register mit Götterdarstellungen und Jenseitsszenen.
In diesen Szenen lassen sich unter anderem Osiris, Isis, Nephthys und Horus sowie Anubis erkennen. Vor allem die Szene mit Anubis zeigt sehr gut eine seiner Aufgaben, denn er hält die Hand des Verstorbenen und geleitet diese in das Totenreich. Auch sehr markant ist die Darstellung der vier Horussöhne, die als Schutzgötter der inneren Organe fungieren, die hier mit Sonnenscheibe und Federzepter dargestellt sind. Auf den Füßen sind zwei Schakale abgebildet, umgedreht, sodass die Verstorbene von oben auf sie blicken kann. Sie übernehmen ebenfalls eine Schutzfunktion.
Am Kopfende befindet sich eine große Sonnenscheibe mit Strahlen, die sich über einem Berg befinden. Am Fußende sind aufgemalte Schuhsohlen zu sehen, auf denen der Verstorbene steht, wenn der Sarg aufgestellt wird. Auf der Innenseite der Wanne erscheint die Göttin Nut mit herabhängenden Armen; sie empfängt die Tote symbolisch in ihrem Körper und garantiert ihre Wiedergeburt.
Die hieroglyphischen Inschriften auf dem Deckel nennen den Namen der Verstorben: Senosiris. Die Texte bestehen aus traditionellen Totenformeln und Schutzsprüchen, die gewährleisten sollen, dass sie im Jenseits atmen, sprechen, essen und sich frei bewegen kann. Der Sarg fungiert damit als eine Art magischer Ersatzkörper, der nicht nur bewahrt, sondern aktiv „arbeitet“.
L. Witt