Griff eines Sistrums mit dem Namen des lokalen Regenten Wah-ib-Re Nefer-ka-Re
Objektbeschreibung
Das Sistrum war ein rasselartiges Musikinstrument im Alten Ägypten, das vor allem mit der Göttin Hathor in Verbindung stand. Vermutlich wurde das Sistrum von den natürlichen Geräuschen von Papyrusbündeln inspiriert und sollte das Rascheln des Papyrus imitieren. Es wurde häufig von Priesterinnen verwendet und wahrscheinlich bei Kulthandlungen, wie Prozessionen oder Ritualen, eingesetzt. Neben den heute noch vorhandenen Objekten finden sich diese Instrumente in Darstellungen wieder, welche diese Nutzung belegen.
Vom hier gezeigten Sistrum ist nur noch der Griff erhalten. Vollständig erhaltene Sistren dieses Typs bestanden im Normalfall aus einem zylinderförmigen Griff, einem Mittelteil, der häufig den Kopf der Göttin Hathor abbildete und einem oberen Teil, der ein kleines Gebäude darstellte. Die Vorder- und Rückseite war dabei identisch gestaltet. Das Gebäude war eventuell ein Naos, ein Schrein eines Tempels, oder ein monumentales Eingangsportal eines Tempels. Letzteres wird in hieroglyphischen Texten „Bechen“ genannt. Aufgrund dessen wird meist von einem „Naos-Sistrum“ bzw. „Bechen-Sistrum“ gesprochen. Bei den verwendeten Sistren verlaufen durch den Rahmen bzw. den Tempelschrein waagerechte Metallstäbe, an denen lose Metallplättchen oder Ringe befestigt sind, die beim Schütteln gegeneinander oder gegen den Rahmen schlagen.
Auf dem Griff befand sich meistens, wie in diesem Fall, eine hieroglyphische Inschriftenkolumne, die auf beiden Seiten geschrieben wurde. In diesen wird der Name des lokalen Regenten Wah-ib-Re Nefer-ka-Re der 26. Dynastie (664 – 525 v. Chr.) sowie das Sistrum, ägyptisch „Sescheschet“, selbst genannt.
Ob dieses Sistrum als Musikinstrument genutzt wurde oder eine symbolische Funktion hatte, ist aufgrund des Erhaltungszustandes und unsicheren Fundkontexts schwer zu beurteilen. Generell ist die genaue Funktion dieses Typs nicht abschließend geklärt. Anzunehmen ist, dass es zur Kontaktaufnahme mit Gottheiten verwendet wurde. Es könnte aber auch eine schützende bzw. abwehrende Funktion gehabt haben. Da das Sistrum, wie bereits erwähnt, mit der Göttin Hathor verbunden war, könnte es auch für Fruchtbarkeit stehen. Neben dieser Symbolik könnte Hathor als Mittlerin zwischen Diesseits und Jenseits fungiert haben.
B. Moritz