Logo

FacebookAuf Facebook teilen

Objektbeschreibung

Der Eingeweidekasten des Königs Scheschonk I. (um 945 bis 925 v. Chr.) besteht aus einem Kasten, in dessen Inneren vier runde Höhlungen eingetieft sind, um die vier Mumienpäckchen mit den Eingeweiden direkt aufzunehmen, und einen Deckel.
Kanopen- und Eingeweidekästen wurden ursprünglich Särgen nachgebildet. Im Neuen Reich und zuerst für den königlichen Bestattungsgebrauch werden die Kästen als kleine Götterkapelle gestaltet, so auch der des Königs Scheschonk. Rundstab und Hohlkehle bilden das Gesims unter dem nach vorn ansteigenden Kapellendach. Auf der Oberfläche des Daches sieht man den Falken des Horus. Der Kopf war plastisch aus Alabaster gearbeitet. Er ist verloren, jedoch der abgebrochene Zapfen und ein bronzener Haltestift sind im Dübelloch erhalten. Auf den Dachschrägen ringelt sich eine Schlange. Sie heißt „Mehen-Schlange“, der Ringler, und umgibt nach Darstellungen des Amduat den Sonnengott auf seiner Fahrt durch die Unterwelt, das Nachtreich. Sie umschließt schützend den Ort der Transformation des altgewordenen Sonnengottes Re in seine jugendliche Form, die am Morgen als Chepre, „der Gewordene“, erstrahlt. Diese fromme Anspielung betont den Schutzcharakter des Schreins und die Hoffnung auf die Wiedergeburt des Königs. Auf den Seitenflächen des Kastens ist die Gruppe der Göttinnen reduziert auf Isis und Nephthys, die mit ihren in die Bildmitte geklappten Flügelpaaren eine Geste des Schutzes zeigen. Die zarten Leiber der Göttinnen bilden einen dekorativen Kontrast zu den schweren, am Boden schleifenden und einander kreuzenden Flügelpaaren. Isis und Nephthys sind die Hauptakteure der Klagen an der Bahre des toten Osiris, ein Motiv, das seit dem Ausgang des Neuen Reiches immer häufiger auf der Totenausstattung zu sehen ist. Auf der Vorderseite sind Thron- und Geburtsname des Königs eingraviert.
H. Kischkewitz