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Ceres auf dem Rand eines Brunnen sitzend


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Objektbeschreibung

Die Abgebildete lässt sich durch die Ähre in ihrer Hand als Ceres, die römische Göttin des Ackerbaus, identifizieren. Dennoch ist Darstellung bewusst uneindeutig, etwa durch den Widderkopf, um ein Gespräch vor dem Gemälde anzuregen. Diese Praxis war vor allem unter Kunstsammelnden beliebt. Das Gemälde wurde wohl für das Treppenhaus im Palast des venezianischen Kunstsammlers Francesco Zio (1477–1523) gemalt, der das Gemälde seinem Neffen Andrea Odoni (1488–1545) vermachte. In jenem Treppenhaus hing das Bild über einer Tür (sportello). Dort beschreibt es Marcantonio Michiel (1484 – 1552). Aus den zeitgenössischen Beschreibungen sowie Röntgenuntersuchungen ist ablesbar, dass das Bild ursprünglich ohne die Ähre konzipiert war. Mit der Hand, die heute die Ähre hält, stützte sich Ceres ursprünglich auf dem Brunnen ab. Es ist also zu vermuten, dass versucht wurde, die Ikonografie eindeutiger zu machen, als das Gemälde den Besitzer wechselte. Bilder über Türen wurden oft vor Wunderkammern oder private Bibliotheken angebracht. Die Bedeutung und Inhalte der dort beherbergten Objekte war, wie jene der Gemälde, erst in der Beschäftigung und der Zusammenschau verständlich (Rutherglen 2016).