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Verkündigungsengel / Der schreibende Johannes der Evangelist


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Objektbeschreibung

Giovanni Agostino da Lodi wurde lange Zeit ‚Pseudo-Boccacino‘ genannt, weil seine Werke stilistische Ähnlichkeiten zu denen des Malers Boccacio Boccaccino aus Cremona aufweisen, der ebenfalls Lombarde war. Giovanni Agostino da Lodis Oeuvre stellt eine Brücke zwischen den bildenden Künsten der Lombardei und des Veneto dar. Genauer: Die Gesichtszüge der Figuren sind an der Malerei Leonardo da Vincis und seines Umkreises orientiert, die geometrischen Abstraktionen der Gewänder verweisen hingegen auf die Malerei Alvise Vivarinis.
Vielleicht schon in Venedig ab Mitte der Neunziger Jahre des 15. Jh., aber sicherlich ab 1504 bis 1511 (im letztem Jahr ist Giovanni Agostino wieder in der Lombardei, nämlich in Mailand dokumentiert), schuf der Maler aus Lodi um die Jahrhundertwende die Altarflügel der Kirche San Basilio (venezianisch: San Basegio) in Venedig, welche in den Stadtführern des 17.-18. Jh. ausgerechnet Vivarini zugeordnet sind. Ein Überbleibsel jenes Werkes ist die beidseitig bemalte Tafel der Gemäldegalerie. Nicht zufällig ist auf deren Rückseite (mit der Darstellung des schreibenden alten Evangelisten Johannes) unten rechts in Kapitalbuchstaben noch der Name des Venezianers zu lesen.
Der quasi expressionistische Künstler, der den Protagonisten seiner Gemälde immer wieder dieselben Ausdrucksweisen verlieh, war lange vergessen. In den letzten vierzig Jahren wurde er jedoch als Knotenpunkt des lombard-venezianischen Kontextes des frühen 16. Jh. wiederentdeckt, nicht zuletzt auf Grund der Qualität seines zeichnerischen Œuvres. Die leuchtende Palette der zickzackartigen Gewebe des Engels und die ausgezeichnete wellige Frisur sind typisch für die Nachfolger von Leonardo (Boltraffio, Oggiono…); sie bilden einen überraschenden Kontrast zum teilweise monochrom beschriebenen Johannes und dessen melancholischem Aussehen.
Die von unten in perspektivischer Verkürzung dargestellten Figuren lassen vermuten, dass der Verkündigungsengel sich im oberen Teil des linken Orgelflügels befand. Es fehlt rechts die zur Verkündigungsszene gehörende Figur der Maria, die auf dem rechten Orgelflügel platziert zu denken ist. Auf der Rückseite wäre rechts die Darstellung eines anderen Heiligen (Johannes des Täufers?), wenn nicht eines Propheten zu erwarten. Über die unteren Tafeln dieser venezianischen Orgelflügel hingegen lässt sich nichts Genaues sagen, sie waren wohl mit weiteren Heiligen besetzt.