Türkenschlacht (?)
Objektbeschreibung
Der flämische Maler Roelant Savery arbeitete 1604–12 als Hofmaler des außerordentlich kunstliebenden Kaisers Rudolf II. in Prag. Wahrscheinlich spiegelt das Gemälde die kriegerischen Auseinandersetzungen des Kaisers mit osmanischen und ungarischen Truppen, die beide 1606 beendet wurden. Trotz des Reiters mit Turban und langem Krummsäbel im linken Mittelgrund spricht manches dafür, dass neben Türken auch und vor allem Ungarn als Gegner gemeint sind. Der ungarische Aufständische Stephan Bocskay und seine Anhänger, die sich ab 1604 gegen die österreichischen Habsburger und den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches wandten, paktierten zeitweise mit den Osmanen, da sie sich von deren Oberherrschaft eine größere konfessionelle Freiheit versprachen.
Im Vordergrund des Gemäldes haben Soldaten mehrere Reiter zu Fall gebracht. Einer von ihnen schwingt einen Kriegsflegel, wie er als Bauernwaffe in Europa verbreitet war. Doch auch der vor ihm zu Boden Gegangene sowie der rechts danebenstehende Krieger tragen Waffen (Rapier bzw. Hellebarde) von mitteleuropäischem Typus. Selbst türkische Säbel wie bei dem von einem Pfeil getroffenen Reiter im roten Gewand waren auf dem Balkan üblich. Der Bogenschütze rechts daneben im Leopardenfell nutzt zwar einen türkischen Köcher, doch die Form seines Säbels wirkt mit dem angesetzten Faustbügel eher europäisch. Der rechts von ihm Laufende ist mit Rapier, Harnisch und Sturmhaube wiederum gänzlich europäisch ausgestattet. – Der vom linken Bildrand ins Bildfeld laufende Krieger trägt einen Streithammer, der im 16. und 17. Jh. in Europa genutzt wurde.
SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. rechts vorn auf dem Schild, umlaufend (undeutlich): Roelandt Savery