Selbstbildnis
Objektbeschreibung
Die am 23. Juli 1721 geborene und zwei Tage darauf in der Berliner Nikolaikirche getaufte Malerin stammte aus einer weit verzweigten Künstlerfamilie. Beim Vater, Georg Lisiewsky (Lisiewski), erhielt sie den ersten Unterricht. Mit zwei selbständigen Arbeiten, Konversationsstücken in Watteaus Manier (Die Schaukel und Das Federballspiel, beide Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg), begann Therbusch im Jahr 1741 ihre künstlerische Laufbahn. Auch von den Arbeiten des preußischen Hofmalers Antoine Pesne blieb sie nicht unbeeinflusst. Im Februar 1742 erfolgte die Eheschließung mit Ernst Friedrich Therbusch, dem Besitzer des Gasthofs »Zur weißen Taube« in der Berliner Heiligengeiststraße 21. Nahezu zehn Jahre schulte Therbusch autodidaktisch ihre künstlerischen Fähigkeiten.
Seit 1761 war die Künstlerin am Hof des Herzogs Karl Eugen von Württemberg in Stuttgart tätig. Im folgenden Jahr wurde Anna Dorothea Therbusch Ehrenmitglied der neu gegründeten württembergischen Académie des Arts. 1763 erhielt sie ihre Berufung als Hofmalerin Carl Theodors von der Pfalz nach Mannheim. Nach einem kurzen Aufenthalt 1764 in Berlin begab sie sich 1766 nach Paris, wo sie im Folgejahr Mitglied der Académie Royale wurde (Aufnahmestück: Junger Mann mit Weinglas bei Kerzenlicht, Paris, École nationale supérieue des Beaux-Arts). Das 1768 in Paris gemalte Porträt des Malers Jacob Philipp Hackert verschaffte Therbusch außerdem die Aufnahme in die Wiener Akademie. Im Herbst 1768 verließ sie Paris und kehrte über Brüssel und die Niederlande 1770 nach Berlin zurück. Sie wurde von Friedrich dem Großen mit Aufträgen bedacht, ohne aber je von ihm als Hofmalerin bestallt zu werden. Nachdem Anna Dorothea Therbusch 1772 verwitwet war, unterhielt sie seit 1773 gemeinsam mit ihrem Bruder, dem Maler Christoph Friedrich Reinhold Lisiewsky (Lisiewski), ein Atelier an der Straße Unter den Linden. Inzwischen war sie eine gefragte Bildnismalerin.
Ihr unvollendet gebliebenes Berliner Selbstbildnis, in dem sich die Künstlerin mit aufgesetztem Augenglas selbstbewusst als alternde und zugleich gebildete Malerin präsentiert, ist eines der bedeutendsten Künstlerselbstbildnisse des 18. Jahrhunderts. Ihr aus einem Buch aufschauender Blick erinnert an den einer Sibylle. Eine kleinere, an die Berliner Komposition angelehnte und in ihr Todesjahr 1782 datierte Version ergänzte Anna Dorothea Therbusch um einen gemalten Fensterrahmen im Geschmack der von ihren Zeitgenossen geschätzten niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum). Die beiden Selbstbildnisse sind zeitgleich auf Grundlage des Weimarer Selbstbildnisses mit rot orangenem Mantel und auf der Zeichenmappe abgelegtem Einglas (um 1774, Klassik Stiftung Weimar) entstanden. Sie gehören zu den spätesten Werken der Malerin, das unvollendet gebliebene Berliner Bild ist möglicherweise ihre letzte künstlerische Arbeit.
Seit 1761 war die Künstlerin am Hof des Herzogs Karl Eugen von Württemberg in Stuttgart tätig. Im folgenden Jahr wurde Anna Dorothea Therbusch Ehrenmitglied der neu gegründeten württembergischen Académie des Arts. 1763 erhielt sie ihre Berufung als Hofmalerin Carl Theodors von der Pfalz nach Mannheim. Nach einem kurzen Aufenthalt 1764 in Berlin begab sie sich 1766 nach Paris, wo sie im Folgejahr Mitglied der Académie Royale wurde (Aufnahmestück: Junger Mann mit Weinglas bei Kerzenlicht, Paris, École nationale supérieue des Beaux-Arts). Das 1768 in Paris gemalte Porträt des Malers Jacob Philipp Hackert verschaffte Therbusch außerdem die Aufnahme in die Wiener Akademie. Im Herbst 1768 verließ sie Paris und kehrte über Brüssel und die Niederlande 1770 nach Berlin zurück. Sie wurde von Friedrich dem Großen mit Aufträgen bedacht, ohne aber je von ihm als Hofmalerin bestallt zu werden. Nachdem Anna Dorothea Therbusch 1772 verwitwet war, unterhielt sie seit 1773 gemeinsam mit ihrem Bruder, dem Maler Christoph Friedrich Reinhold Lisiewsky (Lisiewski), ein Atelier an der Straße Unter den Linden. Inzwischen war sie eine gefragte Bildnismalerin.
Ihr unvollendet gebliebenes Berliner Selbstbildnis, in dem sich die Künstlerin mit aufgesetztem Augenglas selbstbewusst als alternde und zugleich gebildete Malerin präsentiert, ist eines der bedeutendsten Künstlerselbstbildnisse des 18. Jahrhunderts. Ihr aus einem Buch aufschauender Blick erinnert an den einer Sibylle. Eine kleinere, an die Berliner Komposition angelehnte und in ihr Todesjahr 1782 datierte Version ergänzte Anna Dorothea Therbusch um einen gemalten Fensterrahmen im Geschmack der von ihren Zeitgenossen geschätzten niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum). Die beiden Selbstbildnisse sind zeitgleich auf Grundlage des Weimarer Selbstbildnisses mit rot orangenem Mantel und auf der Zeichenmappe abgelegtem Einglas (um 1774, Klassik Stiftung Weimar) entstanden. Sie gehören zu den spätesten Werken der Malerin, das unvollendet gebliebene Berliner Bild ist möglicherweise ihre letzte künstlerische Arbeit.
Im Jahr 1786 befand sich das Berliner Selbstbildnis in der Kunstsammlung ihres einstigen Schülers Johann Christian Samuel Gohl, der als herzoglicher Intendant im Berliner Palais des Friedrich August von Braunschweig wohnte. Goethes Kunstberater Heinrich Meyer erwähnt das Gemälde in einem Brief vom 8. Juni 1808. Danach kam es als Vermächtnis des Herzogs über Oels in Schlesien nach Weimar (Schloss Belvedere), bevor es aus dem Besitz des Großherzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach 1919 in den Kunsthandel und 1924 schließlich in die Berliner Gemäldegalerie gelangte. Rainer Michaelis | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019 (2024 aktualisiert von Sarah Salomon)
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Born on July 23, 1721 and baptized two days later in Berlin's Nikolaikirche, the painter came from a widely ramified family of artists. She received her first instruction as an artist from Georg Lisiewsky (Lisiewski), her father. Therbusch launched her career as an artist in 1741 with two independent works, conversation pieces in Watteau’s manner (The Swing and The Game of Badminton, both Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg). She was also influenced by the Prussian court painter Antoine Pesne. In February 1742, she married Ernst Friedrich Therbusch, the owner of the inn called “Zur weißen Taube”, located at Heiligengeiststrasse 21 in Berlin. For nearly ten years, Therbusch developed her artistic skills as an autodidact.
Beginning in 1761, Therbusch worked as an artist at the court of Duke Karl Eugen von Württemberg in Stuttgart. The following year, she became an honorary member of the newly founded Académie des Arts of Württemberg. In 1763, she was appointed court painter to Carl Theodor von der Pfalz in Mannheim. After a brief stay in Berlin in 1764, Therbusch travelled to Paris in 1766, where she became a member of the Académie Royale in the follwoing year (reception piece: Young Man with a Glass of Wine by Candlelight, Paris, École nationale supérieue des Beaux-Arts). Her portrait of the painter Jacob Philipp Hackert, executed in Paris in 1768, also won her admission to the Academy in Vienna. She left Paris in the fall of 1768 and returned to Berlin via Brussels and the Netherlands in 1770. Back in Berlin, Therbusch received commissions from Frederick the Great, without however being appointed court painter by him. Beginning in 1773, after being widowed in 1772, Therbusch operated a studio together with her brother, the painter Christoph Friedrich Reinhold Lisiewsky (Lisiewski), on Unter den Linden. She was now in demand as a portrait painter.
Her unfinished Berlin self-portrait, in which the artist confidently presents herself as an aging and at the same time educated painter reading with her eye glass on, is one of the most important self-portraits of the 18th century. Her gaze, looking up from a book, is reminiscent of that of a Sibyl. Anna Dorothea Therbusch added a painted window frame to a smaller version, based on the Berlin composition and dated to the year of her death, 1782, in the taste of 17th-century Dutch painting appreciated by her contemporaries (Nuremberg, Germanisches Nationalmuseum). The two self-portraits were created at the same time on the basis of the Weimar self-portrait with red-orange coat and glass placed on the drawing map (around 1774, Klassik Stiftung Weimar). They are among the painter's latest works; the unfinished Berlin painting is possibly her last artistic work.
In 1786, the Berlin self-portrait was in the art collection of her former student Johann Christian Samuel Gohl, who resided as ducal intendant in the Berlin palace of Friedrich August von Braunschweig.Heinrich Meyer, who was Goethe’s artistic advisor, mentions the painting in a letter of dated 8 June 1808. Thereafter, it travelled via Oels in Silesia to Weimar (Schloss Belvedere) as part of the Duke’s legacy before leaving the possession of the Grand Duke of Sachsen-Weimar-Eisenach in 1919, entering the art market, and finally the collection of the Gemäldegalerie, in 1924. Rainer Michaelis | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019 (2024 updatet by Sarah Salomon)