Lot und seine Töchter
Objektbeschreibung
Im Schutz eines dunklen Felsvorsprungs blicken Lots Töchter gebannt in die Ferne. Ihre Aufmerksamkeit gilt der für die Betrachtenden nicht sichtbaren Zerstörung Sodoms durch Gott. In dem Glauben, die einzigen Überlebenden der Menschheit zu sein, fassen die jungen Frauen den Entschluss, ihren Vater mit Wein zu betäuben und mit ihm schlafen, um so den Fortbestand der Menschheit zu sichern. Das aus heutiger Sicht verstörende biblische Thema erfreute sich im 16. und 17. Jahrhundert großer Beliebtheit. Die entsprechenden Darstellungen waren häufig stark erotisch konnotiert. Gentileschi jedoch setzt auf Andeutungen statt auf provokante Explizitheit. Damit traf er offenbar den Geschmack seiner Auftraggeber. Weitere Varianten dieses Bildthemas von Gentileschi haben sich beispielsweise im J. Paul Getty Museum in Los Angeles, im Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid sowie in der National Gallery of Canada in Ottawa erhalten, wobei die Ausführung in Los Angeles als die erste Fassung gilt. Sie entstand im Jahr 1621 im Auftrag des Adligen Giovanni Antonio Sauli für dessen Palazzo in Genua. Die Fassung in Ottawa wird hingegen mit jenem Werk identifiziert, das Gentileschi 1623 an Carlo Emanuele I. von Savoyen übersandte. Die Berliner Version befand sich vermutlich im Besitz von Kardinal Maurizio von Savoyen. Die Komposition des Berliner Gemäldes entspricht weitestgehend jener in Los Angeles, unterscheidet sich jedoch in der Abfolge der Gewandfarben sowie in der Lichtführung.