Bildnis eines Mannes
Objektbeschreibung
Das zunächst als florentinisches Werk der Zeit um 1515 bzw. 1525 oder 1530/40 geltende Bildnis eines schwarz gekleideten Mannes mit Barett und schwer zu deutendem, melancholischen Ausdruck wurde von Voss (1920) erstmals dem aus Florenz stammenden Jacopino del Conte zugeschrieben. Die harten Konturen, das weitgehende Fehlen differenzierender Farbabstufungen, das Vorherrschen dunklen Kolorits und die düsteren Gesichtszüge des Porträtierten sind allgemein vergleichbar mit den Werken des Schülers Andrea del Sarto, der 1535 nach Rom ging. Doch lassen sich die Helligkeitskontraste und die an den Hyperrealismus Caravaggios erinnernde Genauigkeit der Physiognomie kaum mit dem Florentiner Manierismus in Einklang bringen. So hat Contini (2020) jüngst der bisherigen Zuordnung und entsprechenden Frühdatierung widersprochen und stattdessen den vor allem in Lucca, aber auch in Rom oder Neapel arbeitenden, als exzentrisch geltenden Maler, Bildhauer und Architekten Paolo Guidotti, einen Zeitgenossen Caravaggios, vorgeschlagen. | Tobias Kunz, in: Die Schätze. 125 Jahre Kaiser Friedrich Museumsverein, Petersberg 2022, S. 208