Die Anbetung der Könige
Objektbeschreibung
Das Bild entstand vermutlich als Altarbild (oder Lateralbild) für die Kapelle einer Kirche, vielleicht auch einer Palastkapelle. Es ist eine im Maßstab reduzierte, zum Hochformat erweiterte Zweitfassung des "berühmten" Bildes (so Chiaris Biograph Pascoli 1730), das Chiari 1714 für die Galerie des Vizekanzlers der Kurie, des Kardinals Pietro Ottoboni (1677 - 1740), malte (heute Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister). Dieser besaß damals die bedeutendste Sammlung zeitgenössischer italienischer Malerei in Rom.
Das Dresdner Bild ist ein großes Querformat mit lebensgroßen Figuren. In der Berliner Fassung sind die Figuren nur etwa halb so groß. Die Stallarchitektur ragt höher auf und eine auf Wolken schwebende Engelgruppe ist hinzugekommen. Anstelle des M-förmigen Kompositionsmusters des Dresdner Bildes ergibt sich im Berliner Bild eine Diagonalkomposition.
Angeregt ist das Bild vor allem durch eine Komposition gleichen Themas von Carlo Maratti (überliefert in einem Stich von N. Dorigny) sowie durch eine Komposition von Guglielmo Cortese (gestochen von N. Billy, L. Gommier und E. Picart). Außerdem griff Chiari auf ein eigenes Frühwerk zurück, das Lateralbild der Cappella Marcaccioni in S. Maria del Suffragio in Rom (1682-86), von dem es wiederum eine im Maßstab reduzierte, im Figurenbestand aber erweiterte Zweitfassung gibt (Aix-en-Provence, Musée Granet). Außerdem dürfte eine in zwei Versionen (1707, Tours, Musée des Beaux-Arts und Rom, Galleria Nazionale d'Arte Antica) vorliegende Komposition Sebastiano Concas als Quelle der Anregung infrage kommen. Die Engelgruppe links hat Chiari aus Marattis "Tod des hl. Joseph" (1676, Wien, Kunsthistorisches Museum) entlehnt. Das Berliner Bild wird vermutlich bald nach dem Dresdner Bild entstanden sein. | Best. Kat. Berlin 1975, S. 98 (2025 aktualisiert von Sarah Salomon)
SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. links unten: IOSEPH CHIARI