Die Junta der Philippinen
Objektbeschreibung
Dargestellt ist eine von König Ferdinand VII. von Spanien geleitete Hauptversammlung der königlichen Kompanie der Philippinen, einer von Karl III. 1785 gegründeten Handelsgesellschaft, die das Handelsmonopol zwischen Spanien und den Philippinen (seit 1521 spanisch) besaß. Vor der Rückwand des Saals, an der ein Porträt Karls III. kaum zu erkennen ist, sitzt erhöht der Vorstand, in seiner Mitte der König. Zu beiden Seiten sitzen in mehreren Reihen die Aktionäre. Das Bild ist eine Entwurfsskizze (Bozzetto) für ein großes Repräsentationsgemälde (Castres, Musée Goya), das vermutlich die erste Aktionärsversammlung festhielt, der Ferdinand VII. nach der Rückkehr aus dem Exil (1814) beiwohnte. Auf dem ausgeführten Gemälde erkennt man zur Linken des Königs Miguel de Lardizábal, von Mai 1814 bis September 1815 Marineminister von Indien, danach in Ungnade gefallen und eingekerkert. Dargestellt ist zudem der 1815 von Goya porträtierte José Luis Munárriz (Madrid, Real Academia de Bellas Artes de San Fernando) dargestellt. Er war seit Mai 1815 Präsident der Kompanie. Daraus ergibt sich die Datierung der Skizze und des Gemäldes zwischen Mai und September 1815. Der Bozzetto weicht erheblich von dem ausgeführten Bild ab. Die Perspektive ist anders, der Raumausschnitt größer, der Augenpunkt liegt höher. Ein zweites (im Gemälde verhängtes) Fenster rechts hinten wirft ein helles Schlaglicht auf den Vorstandstisch. Details wie die Musterung des Fußbodens fehlen noch. Die Gestalten sind nur schemenhaft angedeutet.
"Die Junta der Philippinen" war im Jahr 1900 das erste Leinwandgemälde Goyas, das in eine öffentliche deutsche Sammlung gelangte.