Kopfstudie eines jungen Juden
Objektbeschreibung
Bei dem Brustbild eines jungen, schlicht gekleideten Mannes, dessen Gesicht dem Betrachter frontal zugewandt ist, handelt es sich um eine sogenannte tronie, also eine porträtähnliche Kopf- oder Charakterstudie, die in der Werkstatt vermutlich als Studien- und Arbeitsmaterial diente. Aufgrund der Haar- und Barttracht ist anzunehmen, dass es sich hierbei um die Darstellung eines jungen Juden osteuropäischer Herkunft handelt.
Bereits Bode ordnete das undatierte Gemälde kurz nach dessen Erwerbung in die vierziger Jahre ein. Diese Zuordnung blieb bis in die neueste Literatur bestehen. Wie die dendrochronologische Untersuchung der Holztafel zeigte, fällt eine frühest mögliche Bemalung jedoch erst in die Zeit ab 1657. Für ein Entstehungsdatum der späten fünfziger Jahre spricht auch die Tatsache, dass es sich bei dem Dargestellten um einen aschkenasischen Juden handeln dürfte. Die erste Welle jüdischer Flüchtlinge aus Osteuropa kam erst in Folge der durch den Chmelnyzkyj-Aufstand (1648-1657) ausgelösten Progrome etwa Mitte der fünfziger Jahre in Amsterdam an. Da die vorliegende Bildnisstudie sicher vom lebenden Modell aus angefertigt wurde, ist dessen Entstehung somit erst ab Mitte der fünfziger Jahre wahrscheinlich.