Der schreibende heilige Hieronymus
Objektbeschreibung
In ein kunstvoll drapiertes, rotes Gewand gehüllt, sitzt der Kirchenvater Hieronymus über einem großen, aufgeschlagenen Folianten. Sein Kardinalshut hängt vor ihm an der Wand. Der ausgemergelte Körper zeugt von den Jahren der Buße in der Wüste. Augenblicklich hält er beim Schreiben inne und richtet den Blick fragend nach oben. Der am oberen linken Bildrand aus den Wolken ragende Schalltrichter einer Tuba vergegenwärtigt die ihm zuteilwerdende göttliche Eingebung. Die laufende Sanduhr verweist auf die Vergänglichkeit des Irdischen. Die Zuschreibung des Gemäldes an Régnier erfolgte 1924 und wird seitdem nicht mehr in Frage gestellt. Der in Antwerpen ausgebildete Maler, Kunsthändler und Sammler übersiedelte um 1617 nach Rom, wo er im Umfeld des bedeutenden Mäzens und Caravaggio-Förderers Vincenzo Giustiniani tätig war. Ab den 1630er Jahren entwickelte sich Régnier, der in Italien auch unter dem Namen Niccoló Renieri bekannt ist, zu einem wichtigen Vermittler der caravagesken Malerei in Venedig. Die von starkem Hell-Dunkel und sorgfältig komponierten Stillleben-Elementen geprägte Darstellung des Heiligen Hieronymus wird dem Beginn seiner venezianischen Schaffensphase zugeordnet. | Sven Jakstat