Walzenkrug mit silbervergoldeter Montierung
Objektbeschreibung
Humpen aus dickwandigem, farblosem, etwas graustichigem Glas, die
Bodenkugel ist von einer tiefgeschnittenen Blütenrosette gerahmt, auf
eine runde Platte mit Standring gesetzt, nicht gestaucht, der Standring
mit feiner Montierung aus vergoldetem Silber, die Kantenverzierung aus
erhabenen Jakobsmuscheln, angesetzter Ohrenhenkel, der an einer
Manschette die Deckelmontierung hält, die aus Spangen und einem
naturalistisch geformten Adler als Bekrönung gebildet wird. Der Ansatz
des walzenförmigen Humpens ist mit einem versenkten und mattierten
Spitzblattdekor verziert. Die Wandung zeigt umlaufend große Blüten- und
Früchtefestons mit vereinzelten fliegenden Vögeln und Insekten, den
verwärmten Mündungsrand schmückt ein Bogenfries in Schälfschliff. Der
Deckel ist ebenfalls aus Glas geformt, gerahmt von einer getreppten
Montierung in Anlehnung an den Fuß. Auf dem Deckel findet sich das
bekrönte, großformatige Monogramm FR für Fridericus Rex zwischen
gekreuzten Palmzweigen. Die Wandung hat einen durchgehenden Sprung
gegenüber des Henkels. Da außer einem Tremolierstrich keine Punzen
vorhanden sind, lässt sich kein Goldschmied zuordnen.
Sehr wahrscheinlich datiert dieser repräsentative Walzenkrug in die
Regierungszeit König Friedrichs I., in die Jahre 1701 bis 1713. Die
hängenden Frucht- und Blumenbündel waren ein wiederkehrendes Motiv der
Werkstatt von Martin Winter (um 1640–1702), die nach seinem Tod von
seinem Neffen Gottfried Spiller (um 1663–1728) weitergeführt wurde.
Dieses Glas glorifiziert mit seinem Bildprogramm die neugewonnene
Königswürde des Hauses Hohenzollern: das bekrönte Monogramm dominiert
das Gefäß, wird flankiert von Palmzweigen, Symbol für Sieg, Triumph,
Frieden und ewiges Leben; Früchte und Blumen stehen für Wohlstand und
Fruchtbarkeit, der imposante Adler des königlichen Hausordens wirkt, als
ob er jeden Moment in die Lüfte steigt. [Verena Wasmuth]
MAKR