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Objektbeschreibung

Bellings „Dreiklang“ gilt als Hauptwerk der abstrakten Skulptur. Der Bildhauer verwirklichte hier erstmals in größerem Maßstab seine beiden plastischen Grundprinzipien: Das dreidimensionale Werk sollte beim Umschreiten immer wieder neue, gleichwertige Ansichten eröffnen und die Leere denselben Stellenwert erhalten wie die Masse. „Darum verarbeite ich die Luft ebenso wie festes Material und erreiche, daß der Durchbruch, früher ‚tote Form‘ genannt, denselben Formwert darstellt wie seine Eingrenzung, das bearbeitete Material“, schrieb Belling (zit. nach Das Kunstblatt, 4. Jg. [1920], H. 12, S. 347). In seinem „Dreiklang“ streben drei kantige Formen von einer gemeinsamen Grundfläche aus dynamisch in den Raum. Sie stehen zunächst – ganz ungegenständlich – für musikalische Töne, die einen harmonischen Akkord bilden. In den Formen wurden aber auch stark abstrahierte Tänzerinnen gesehen, als Symbolisierung der drei Künste „Malerei, Bildhauerei, Architektur“. Dies war auch als Untertitel der Zeitschrift „Der Dreiklang“ geplant, welche die Novembergruppe in Berlin 1920 herausgeben wollte, wozu es aber nicht kam. Belling war sowohl in der Novembergruppe als auch im Arbeitsrat für Kunst Mitglied und hielt zeitlebens an deren Ideal fest, die Einzelkünste in eine umfassende Bauidee zu integrieren. In diesem Sinn war auch der „Dreiklang“ anwendungsbezogen gedacht: Sechs Meter hoch aus Ziegeln gemauert und farbig verputzt sollte er als Podium dienen zur Aufführung moderner Musik – gewissermaßen eine expressionistisch aufgesprengte Konzertmuschel. 1924 bestellte Ludwig Justi, Direktor der Nationalgalerie, eine Holzfassung der 1919 in Ton modellierten Skulptur. | Dieter Scholz