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Berliner Norden


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Objektbeschreibung

Ab Ende der 1930er-Jahre beschränkte sich Nagel in seinen Arbeiten vornehmlich auf Landschafts- und Architekturmotive. Es entstanden nun zahlreiche Pastelle und Ölgemälde aus den Berliner Bezirken Wedding, Spandau oder Mitte. Zu ihnen gehören das in gedeckten Farben gehaltene Werk „Berliner Norden“ (A IV 14) und das Bild „Petristraße im Regen II“ (A II 1017), das einen Straßenzug im damaligen Fischerkiez in hellen Pastellfarben zeigt. Beide Ansichten schildern in einer impressionistisch anmutenden, stimmungsvollen Malweise einen regnerischen Tag. Auf den nassen Straßen spiegeln sich die mit Schirmen und Mänteln hastenden Menschen. Der Verismus der 1920er-Jahre (vgl. etwa „Weddinger Jungen“, A IV 10) ist einem gemäßigt modernistischen, atmosphärischen Realismus gewichen. Rückblickend schrieb Nagel: „Die ersten Bomben fielen auf Berlin. Ich war mir damals klar, daß die Stadt ein Trümmerfeld werden würde, und versuchte hier eine Aufgabe zu erfüllen, indem ich möglichst viel festhielt, was in Gefahr stand vernichtet zu werden! […] Bilder aus Nordberlin und besonders aus der alten Innenstadt. Plätze, Häuser, Straßen, Höfe, die ich früher gern besucht hatte, die zu malen es mich aber bisher nicht gedrängt hatte“ (Otto Nagel, Mein Leben, in: ders., Leben und Werk, Berlin [Ost] 1952, S. 40 f.). | Maike Steinkamp