Knabenbildnis
Objektbeschreibung
Mitte der 1920er-Jahre rückten Porträts und Frauenbildnisse ins Zentrum des nicht sehr umfangreichen Œuvre von Günther (insgesamt circa 800 Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen sind bislang nachweisbar, der Rest ist verschollen oder wurde zerstört). Ähnlich wie die Bildnisse von Otto Dix stehen Günthers Porträts im Zeichen eines seinerzeit neuen, nichts beschönigenden Realismus, den der Kunstkritiker Franz Roh als „den bislang einzig wichtigen Beitrag Thüringens zur Malerei des neuen Verismus“ verstanden hat (Franz Roh, Der Maler Kurt Günther, Berlin 1928, S. 14). Dargestellt ist der 1921 geborene Rolf Schoder, Sohn des Bauhausarchitekten Thilo Schoder, mit dem Günther befreundet war. Das Porträt bezieht seine Spannung aus der sachlich-kühlen Distanz zwischen dem Maler und seinem Modell. Mit größter Detailtreue hat Günther den Knaben wiedergegeben, ohne ihn psychisch zu entblößen. Der ungerührte Blick des Jungen signalisiert ebenso Ablehnung wie die verschränkten Arme. Allein, vor blaugrauem Hintergrund, verweigert das Kind den Betrachter:innen jede Möglichkeit emotionaler Anteilnahme. Ein weiteres, weniger abweisendes Bildnis des Jungen, um 1927 gleichfalls in Tempera gemalt, befindet sich in der Kunstgalerie Gera. | Kyllikki Zacharias