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Tanz am 14. Juli


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Objektbeschreibung

Paul Westheim hatte Lingner bereits 1939 als „Wirklichkeitsbeobachter“ bezeichnet, gar als „Wirklichkeitsfanatiker, versessen darauf, festzuhalten was ist“. Das gebe, so Westheim weiter, „seinen Bildern den Halt, sie sind gestaltetes Leben, sie haben Elan ohne falsches Pathos“ (Paul Westheim, Max-Lingner-Ausstellung, 1939, in: ders., Kunstkritik aus dem Exil, Hanau 1983, S. 243). Diese Beschreibung trifft auch auf „Tanz am 14. Juli“ zu, von dem Lingner seit 1936 verschiedene Versionen anfertigte. Seine dritte Fassung einer abendlichen Tanzveranstaltung am französischen Nationalfeiertag malte er 1945/1946, sicher noch unter dem Eindruck der Befreiung Frankreichs vom Nationalsozialismus im August 1944. Die unter Lampions fröhlich tanzenden Frauen und Männer sind in schwarz-weißen Schattierungen gehalten. Nicht nur durch seine Farbigkeit weist das Bild die typischen Merkmale von Lingners Pressezeichnungen auf: Hervor stechen die starke Betonung der Kontur und die auf wenige prägnante Linien beschränkte typisierte Darstellung von Personen und umgebendem Raum. Gewiss hatte Lingner die Befreiung der Stadt nach seiner Zwangsinternierung und dem Leben in der Illegalität als besonderes Glück empfunden. Er konnte nun seine Arbeit als Pressezeichner für die „L’Humanité“ wieder aufnehmen, in deren Kontext möglicherweise auch diese Arbeit entstanden ist. | Maike Steinkamp