Herwarth Walden
Objektbeschreibung
Nach seinem Studium der Malerei arbeitete Wauer als Werbegrafiker, Zeitungsverleger und Theaterkritiker. 1905 ließ er sich in Berlin zum Theaterregisseur ausbilden, bevor er zum Kino wechselte. Noch in seine Zeit am Theater fiel die Bekanntschaft mit dem ähnlich vielseitig talentierten Herwarth Walden (1878–1941): Zusammen schufen sie die Pantomime „Die vier Toten der Fiametta“, die 1911 in Wauers Kleinem Theater Unter den Linden uraufgeführt wurde. 1910 hatte der zwölf Jahre jüngere Musikwissenschaftler und Pianist Walden eine Zeitschrift mit dem rasanten Titel „Der Sturm“ gegründet, die vor allem die Literatur des aufkommenden Expressionismus veröffentlichte – rasch stieg er zu einem ihrer unermüdlichsten Verfechter auf. Zudem propagierte er ab 1912 in seiner Berliner Sturm-Galerie die Kunst von Expressionismus, Kubismus und Futurismus. Seine Ausstellung italienischer Futuristen im April 1912 führte Wauer zurück zur bildenden Kunst und zur Bildhauerei. In stark rhythmisierten, kantigen Formen schuf er kleine, einprägsame Figuren und Monumentalbüsten, die an die dynamische Expressivität eines Umberto Boccioni erinnern und von Walden alsbald als „absolute Plastik“ gepriesen wurden, da sie „das Gegenständliche unmittelbar plastisch, also ohne Nachahmung der Natur“ gestalteten (zit. nach William Wauer und der Berliner Kubismus. Die plastischen Künste um 1920, Ausst.-Kat., Berlin/Neu Ulm, 2011, S. 14). Wauers Hauptwerk ist das 1917 entstandene Porträt seines Freundes. Mit verknappten Formen und im rhythmischen Spiel von konkaven und konvexen Flächen, mit klaren Kanten und einfachen Umrissen erfasst die Büste Waldens charakteristische Züge und vermittelt zugleich das allgemeine Gefühl einer vom „élan vital“ durchpulsten Zeit, die ihren Ausdruck nicht nur in der Kunst, sondern auch in Alltagsgegenständen fand. Die Nationalgalerie besitzt zwei posthume Güsse des Porträts, angekauft 1963 für die Nationalgalerie (West; NG 24/63), 1964 für die Nationalgalerie (Ost; B II 45). | Kyllikki Zacharias