Totenmaske Ludwig Justi
Objektbeschreibung
Der Kunsthistoriker Ludwig Justi (1876–1957) wirkte 1909–1933 als Direktor der Nationalgalerie. Für die Bestände des Museums bedeutete seine Amtszeit eine Hinwendung zu einer progressiveren Ankaufs- und Ausleihpolitik, namentlich hinsichtlich der Werke der Expressionisten. Gegen den Widerstand prominenter Gegenspieler wie Max Liebermann oder der Kunstkritiker Karl Scheffler, welche die Impressionisten favorisierten, setzte Justi eine Verlagerung des Sammlungsschwerpunktes auf deutsche Gegenwartskunst durch. Von den Nationalsozialisten 1933 aus politischen Gründen zwangsbeurlaubt und als Kustos an die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen versetzt, wurde Justi 1946 zum Generaldirektor der Staatlichen Museen in Berlin (Ost) ernannt. Von 1950 bis zu seinem Tod amtierte er erneut als Direktor der nach erheblichen Kriegsschäden wiedereröffneten Nationalgalerie. Die Totenmaske überliefert getreu die markante, von einer ausgeprägten Höckernase dominierte Physiognomie des 81-Jährigen. Die breiten Nasenflügel wurden zum Zweck der Abformung verstopft. Die physiognomischen Charakteristika Justis – die Querfalte an der Nasenwurzel, flankiert von buschigen Augenbrauen, der schmallippige Mund und die kräftige Kiefer- und Wangenpartie – sind eindringlich festgehalten. Der auf Fotografien oft arrogant wirkende Gesichtsausdruck ist durch die erschlaffte Muskulatur gelöster, versöhnlicher. Zum Vergleich sei auf die zu Lebzeiten entstandenen Porträtbüsten von Alexander Zschokke (1927, F.V. 205) und Magdalena Müller-Martin (um 1947, NG 5/93) in der Nationalgalerie verwiesen. Der dickwandige, gewachste Gipsabguss ist innen hohl, an der Rückseite ist eine Eisenarmierung sichtbar. | Wolfgang Cortjaens