Pontefice n. IX
Objektbeschreibung
Bodini besuchte am Liceo Artistico di Brera die Klasse von Vitaliano Marchini, der ihn 1950 an die Accademia di Brera zu Francesco Messina verwies. 1977 wurde Bodini dort selbst auf den Lehrstuhl für Marmortechnik berufen. 1978 wechselte er an die Accademia di Carrara. Nachdem er bereits seit den späten 1960er-Jahren enge Kontakte nach Deutschland unterhalten hatte, folgte 1987 der Wechsel als Professor für Plastisches Gestalten an die Architekturfakultät der Technischen Hochschule Darmstadt. 1970 hatte ihm die Neue Nationalgalerie die Ausstellung „Floriano Bodini: Bildnis eines Papstes“ gewidmet. Sein dort gezeigtes gleichnamiges Hauptwerk (1968, Vatikanische Museen) stellt Papst Paul VI. dar, der auch in „Pontifex IX“ abgebildet ist. Die Serie „Pontifex“ hat ihren Ursprung in Bodinis Bischofsdarstellungen („Vescovi“) ab 1961. Intensiv wie nur wenige andere Künstler*innen des 20. Jahrhunderts arbeitete sich der streng christlich erzogene Bodini an seinem persönlichen Verhältnis zur katholischen Kirche ab. Insbesondere mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil setzte sich Bodini auseinander und übte in seinen Werken außerdem Kritik an der Enzyklika „Humanae Vitae“, in der sich Paul VI. am 25. Juli 1968 gegen die Empfängnisverhütung aussprach. Seine Kritik drückt Bodini unter anderem aus, indem er Taube und Lamm, von ihm häufig verwendete christliche Symbole, ab 1970 zu furchteinflößenden Mischwesen amalgamiert, wie auch in „Pontifex IX“ zu sehen ist. | Tizian Holzbach