Brüder, zur Sonne, zur Freiheit
Objektbeschreibung
Nach einer Lehre als Dekorationsmaler hatte Fischer in Karlsruhe die Kunstgewerbeschule sowie die dortige Akademie besucht und seit 1913 freischaffend gearbeitet. Im April 1919 trat er gemeinsam mit Rudolf Schlichter, Georg Scholz und anderen als Gruppe Rih an die Öffentlichkeit. In ihrer Ausstellung in der Karlsruher Galerie Moos wurde „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit“ erstmals ausgestellt, allerdings unter dem Titel „Sonnenwärts“. Die prismatisch aufgefächerte Komposition voll glühender Farben zeigt abstrahierte Figuren, die mit ausgestreckten Armen zu einem goldenen Kreis emporstreben, in dem ein Auge erkennbar ist. Wenig später bildete der Kunstkritiker Adolf Behne das Gemälde unter dem Titel „Gebet“ ab und beschrieb es als „verzücktes, himmlisches Schweben in der Welt“ (Adolf Behne, in: Der Cicerone, 13. Jg. [1921], H. 7, S. 214). Die Mischung aus kosmischer Ekstase und revolutionärem Impetus ist charakteristisch für die offene politische Situation nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und die Hoffnung vieler Künstler auf eine befreite Gesellschaft. 1921 übersiedelte Fischer nach Berlin und konzentrierte sich auf gebrauchsgrafische Arbeiten für die KPD, Wohlfahrtsverbände und Gewerkschaften. Vermutlich gab er erst in diesem Zusammenhang dem Bild einen neuen Titel. Dieser geht zurück auf ein russisches Arbeiterlied, zu dem der Dirigent Hermann Scherchen 1918 einen deutschsprachigen Text verfasst hatte. „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit“ wurde schon in der Weimarer Republik bekannt und entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer Hymne der Arbeiterbewegung in der DDR wie in der Bundesrepublik. | Dieter Scholz