Zirkustraum
Objektbeschreibung
Chagalls kleinformatiger „Zirkustraum“ gehört zu einer Reihe von Zirkusgemälden, die in der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre in Frankreich entstanden. 1937 hatten der Maler und seine Frau Bella die französische Staatsangehörigkeit erhalten und konnten sich vor den nationalsozialistischen Judenverfolgungen in Sicherheit wähnen – bis sie sich im Mai 1941 gezwungen sahen, in die USA zu emigrieren. Wie in Chagalls dem jüdischen Schtetl – Ort seiner Kindheit und Jugend – gewidmeten Gemälden ist auch hier der Bildraum als ein Traumraum zu verstehen, der sich aus den Erinnerungen des Künstlers speist. In ihm führt das heimische Interieur (rechts unten ist noch ein Stuhl zu erkennen, der gelbe Streifen am linken Rand lässt an ein Fenster denken) in endlose Himmelsweite. Mond und Geigenspieler gehören zu den immer wiederkehrenden Bewohnern, die Chagalls Imaginationsräume schwebend bevölkern, wie auch der Hahn oder die menschenäugige Ziege. Mit ausgestreckten Armen und einem Fächer in der Hand fliegt sie dem Geigenspieler entgegen, dessen Musik ihn wie ein diaphaner Blütenteppich umgibt. | Kyllikki Zacharias