17 Uhr Schneeschmelze
Objektbeschreibung
Die Werke der 1936 in Sachsen geborenen Künstlerin sind zwischen Malerei, Skulptur und Fotografie angesiedelt und behandeln sowohl autobiografische, emanzipatorische, ökologische wie auch politische Themen Fragestellungen. Diese beleuchtet sie auf immer neue Art und in neuen Techniken, wobei sie stets auf der Suche nach Gegensätzen ist. Zur bildenden Kunst kam die zunächst als Schauspielerin in West-Berlin tätige Lüscher 1967, als sie bei Dreharbeiten in Prag die politische Aufbruchsstimmung des Prager Frühlings miterlebte. Noch im selben Jahr zog sie ins Tessin und nahm autodidaktisch ihre künstlerische Arbeit auf. Sie kam in Kontakt mit Künstler*innen aus dem Umfeld des Nouveau Réalisme. Diese Nähe sieht man Lüschers Arbeiten aus dieser Zeit an, auch ihrer materialreichen Collage „17 Uhr Schneeschmelze“. Hier experimentierte sie mit Fundstücken, vor allem mit Holz und Styropor. Ebenfalls aus gefundenen Alltagsdingen besteht ihre Serie „Zigarettenbilder“ bzw. „Verstummelungen“ (1969–1972), in der sie Tausende von gesammelten Zigarettenstummeln verarbeitete und damit obsessiv die Dialektik von gelebtem Leben und Lebenszeit zu visualisieren suchte. Sammeln und Ordnen ist, wie auch in der vorliegenden Collage, bis Mitte der 1980er-Jahre immer wieder ein Leitmotiv. Das vielfach konzeptuelle Werk kreist um Themen wie Zufall, Eros, Liebe, Kindheit, Träume, Weissagung und Tod, manche davon finden sich auch in „17 Uhr Schneeschmelze“ wieder. | Maike Steinkamp