Four little Roses I
Objektbeschreibung
1950 brach Gaul sein Studium der Kunstgeschichte und Germanistik ab und wechselte an die Kunstakademie in Stuttgart, um bei Willi Baumeister zu lernen. Seine frühen Werke gehören mit ihrem gestischen Farbauftrag zum Informel und Tachismus. Aus dieser Form der Malerei entwickelten sich die „Wischbilder“, bei denen Gaul die Farbe mit einem Tuch verteilte. 1961 wurde die Wischbewegung kreisförmig, wodurch spannungsvolle Kontraste zwischen den Ringen oder Kreisen und dem rechteckigen Bildträger entstanden. 1962 stellte Gaul in New York aus, bereiste die USA, fuhr anschließend nach Italien und vollzog einen radikalen Stilwandel. In dem Jahr begann er eine Serie von Verkehrszeichen. Ein solches selbst entworfenes, rechteckiges Schild positionierte er an der Straße von Mailand nach Morza; es diente offenbar als Vorlage für „Four little Roses I“. Vier abgerundete, schwarze Rechtecke sind paarweise auf weißem Grund angeordnet und enthalten jeweils ein kleineres abgerundetes rotes Rechteck. Die vier Formen füllen den Bildraum fast vollständig aus. Das Schild an der Straße war doppelt so groß wie das spätere Gemälde, allerdings kann man die Farbgebung nur ahnen, da die erhaltenen Fotografien davon in Schwarz/Weiß sind. In einer Publikation war statt einer historischen Aufnahme des Schildes in situ eine Farbabbildung von „Four little Roses I“ abgedruckt (Winfred Gaul. Retrospektive 1953–1973, Ausst.-Kat. Münster, 1973, Abb. S. 37). Die Komposition spielt mit der Idee des Verkehrsschildes und der abstrakt-poetische Titel setzt einen humorvoll pointierenden Akzent. | Emily Joyce Evans