Logo

Die Blinden

1949 erworben durch das Land Berlin

FacebookAuf Facebook teilen

Objektbeschreibung

Schutz- und wehrlose Menschen im nächtlichen Außenraum sind ein häufiges Motiv in Hofers Darstellungen (vgl. „Schlafende Menschen“, B 505). Hierzu gehört auch die sich orientierungslos zusammendrängende Vierergruppe von Blinden in einem dunklen Wald. Die Figuren werden von zwei Bäumen eingerahmt, was jedoch keinen Schutz suggeriert, sondern eher ein Gefangensein vermittelt. Ähnliche Szenen mit umherirrenden oder gar stürzenden Sehbehinderten finden sich in der Ikonografie seit dem 16. Jahrhundert (vgl. Pieter Brueghel d.Ä., „Der Blindensturz“, 1568; Museo Nazionale di Capodimonte, Neapel). Unter den vielfältigen Interpretationsansätzen findet sich die körperliche Blindheit als Metapher für eine mentale Verblendung und die ins Verderben führende Abkehr vom richtigen Weg. Hofer hatte die 1948 ausgeführte Komposition erstmals 1919 unter dem Titel „Irrende im Walde“ (WVZ Wohlert/Eisenbeis 394) umgesetzt. Unter dem Eindruck der Erlebnisse beider Weltkriege könnte Hofer das Motiv vor allem als Ausdruck eines Ausgeliefertseins des Menschen angesichts einer bedrohlichen Welt verstanden haben. | Irina Hiebert Grun