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Fiches au procès

1985 erworben durch das Land Berlin

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Objektbeschreibung

Im Verlauf der 1970er-Jahre entwickelte Bour eine konzeptuelle Arbeitsweise, die durch Wiederholung und Variation bestimmt ist. Ihre Serie „Fiches au procès“ (Blätter im Prozess) besteht aus 42 Einzelwerken, gegliedert in fünf Arbeitsschritte. Während die erste Reihe mit „Analoge Tragflächen der Bildhauerei – des Schreibens – der Malerei“ benannt ist, vollzieht die Künstlerin in der zweiten einen „Arbeitsgang durch Subtraktion“ und in der dritten ein „Zusammenziehen und Dehnen“, in der vierten demonstriert sie den „Gebrauch der Nähmaschine auf Papier“ und in der letzten eine „Addition“. Dieses regelbasierte Verfahren schließt verschiedene Techniken und Materialien ein, wie ein aus Draht gebildetes Netz, einen auf Pappe geklebten Wollknoten, mit dem Bleistift auf kariertes Papier geschriebene Zahlenreihen, einfache Rechenschritte, Schraffuren und Schriftzüge sowie mit der Nadel in das Papier gestochene Löcher und auf Stoff genähte Fäden. Bours handgeschriebene Zeichen, die nach einem strengen repetitiven System in einem langwierigen, viele Variationen durchspielenden Arbeitsprozess entstehen, lassen eine Verbindung zu Hanne Darboven erkennen, die Ende der 1960er-Jahre ein eigenes Schreib- und Rechensystem erfand, das in einem überwältigenden Konvolut handbeschriebener Blätter mündete. Während es Darboven in ihrer Kunst vorrangig um die Darstellung von Zeit ging, thematisiert Bour mit ihren auf den ersten Blick rein formalen Arbeiten gesellschaftliche Fragen, etwa wenn sie das traditionell mit der Heimarbeit der Frau assoziierte Nähen mit dem Gegensatzpaar „befreiender Faden: Kunst vs. einschnürender Faden: das Soziale“ definiert. | Irina Hiebert Grun