Tragende (Pietà von Ravensbrück)
Objektbeschreibung
Die Figur einer Frau, die ihre zusammengebrochene Kameradin trägt, steht auf einem trapezförmigen Pylon hoch über dem Schwedter See in der nationalen Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück. Im Zuge der Umgestaltung des Frauen-Konzentrationslagers zu einer Gedenkstätte wurde die Skulptur von den Architekten als Mittelpunkt bestimmt. Mit einer kleinen Halbinsel schufen sie eine Öffnung zum See, sodass die „Tragende“ hoffnungsvoll in Richtung der Stadt Fürstenberg am anderen Ufer blickt und durch ihre Höhe ein regelrechtes Pendant zum dortigen Kirchturm bildet. Bei der Version aus der Nationalgalerie handelt es sich um die letzte Fassung von Lammerts Hand. Die Endfassung im Maßstab 1:3 wurde posthum unter Leitung seines Schülers Fritz Cremer 1959 vollendet, mit einer Höhe von 430 Zentimetern auf dem 7 Meter hohen Sockel. Lammerts Entwurf sah außerdem eine Gruppe von Frauen verschiedener Nationalitäten vor, die am Boden platziert werden sollte, diese wurde jedoch nicht umgesetzt. Zwei Figuren aus diesem Teil des Entwurfs gehören ebenfalls zur Sammlung der Nationalgalerie (vgl. B III 141, B III 142). Lammert hielt sich bei der vorliegenden Arbeit gestisch zurück und ließ das Motiv des Tragens, der Solidarität und des Überlebenswillens für sich sprechen. Die Haltung der tragenden Frau ist aufrecht und nicht ohne Stolz, dennoch ohne übertriebenes Pathos. Er wandelte das Motiv der Pietà als passive, sitzende Trauernde um in eine aktive, schreitende und schwere Last bewältigende Überlebenskämpferin. | Anja Pawel