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Emporkömmlinge (Anstreicher)


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Objektbeschreibung

Was auf den ersten Blick wie eine Alltagsszene wirkt, offenbart sich bei genauerem Hinsehen als anspielungsreicher und irritierender, weil nicht eindeutiger Kommentar zur politischen Situation in Deutschland. Die beiden Anstreicher, auf ihren Leitern „emporgekommen“, bearbeiten das Gebälk einer Buchhandlung, in deren Schaufenstern ausschließlich faschistische Literatur ausliegt. Unter dem Kittel des linken Mannes wird eine Anzughose sichtbar, der dunkle Hut wirkt als Arbeitermontur ebenfalls fehl am Platz. Die schmale Öffnung in den rechten Bildhintergrund zeigt reges Treiben in der Seitenstraße; Gegenentwürfe konterkarieren das vordergründige Geschehen: ein nach links abbiegender Fahrradfahrer mit ausgestrecktem Arm und, verschwindend klein, ein Schornsteinfeger, Symbol des Glücks. Beide Werktitel beziehen sich deutlich auf Adolf Hitler: Als „Emporkömmling“ hatte ihn die politische und industrielle Elite verachtet und unterschätzt. „Anstreicher“ war der satirische Kommentar Erich Kästners und Bertolt Brechts zur Person Hitlers. Kretzschmars verhaltenerer künstlerischer Kommentar lässt Raum für Interpretationen: Welche Funktion hat der versteckte Anzugträger wirklich? Wird die Buchhandlung renoviert oder „arisiert“? Steht sie gar stellvertretend für Deutschland, dessen sich die „Anstreicher“ nun annehmen? Kretzschmar war 1933 kritischen, später immer mehr existenziellen Angriffen ausgesetzt: 1937 wurden seine Werke als „entartet“ aus den Museen entfernt. Zu Beginn der 1940er-Jahre widmete sich der Maler unverfänglichen Themen mit derart unpolitischer Aussage, dass sie schon wieder als politisch zu verstehen sind. | Katharina Wippermann