Porträt Heinrich George
Objektbeschreibung
Heinrich George (1893–1946) war einer der bekanntesten Theater- und Filmschauspieler der Weimarer Republik. In den 1920er-/1930er-Jahren übernahm er bedeutende Rollen der klassischen und expressionistischen Dramenliteratur sowie im Film. Später arrangierte George sich mit dem NS-Regime, von 1938 bis 1945 war er Intendant des Schiller-Theaters in Berlin; 1946 starb er im sowjetischen Internierungslager Sachsenhausen. Die Büste entstand 1930, als George Intendant des Staatstheaters am Gendarmenmarkt geworden war und dort Johann Wolfgang von Goethes „Götz von Berlichingen“ inszenierte, mit sich selbst als „Urgötz“ in der Hauptrolle. Wer ihn erlebt hatte, war mitunter tief beeindruckt. So entstand zeitgleich ein ausdrucksstarkes Porträt Georges durch den Fotografen Hugo Erfurth. Wie Müllers Büste zeigt es den massigen Mann mit selbstbewusstem Blick, dem charakteristischen Schnauzbart und pomadigem Haar. 1932 porträtierte auch Otto Dix den Schauspieler (Kunstmuseum Stuttgart), und Max Beckmann schuf 1935 ein „Familienbild“ (B 95) mit George als raumgreifendem Oberhaupt, neben dem alle anderen zu Statisten werden. Müller, der 1923/1924 als künstlerischer Filmberater in Los Angeles tätig gewesen war, hatte an der Kunstakademie in Breslau bei Albert Werner-Schwarzburg sowie an der Hochschule für die bildenden Künste in Berlin als Meisterschüler von Ludwig Manzel studiert. Er war Mitglied der Berliner Secession; 1930 lebte er in Rom. Zu seinem heute eher unbekannten Werk zählen Aktdarstellungen, Bauplastiken, Büsten und Statuen. | Johanna Yeats