Großes sicherndes Reh
Objektbeschreibung
Die Plastik des „Großen sichernden
Rehs“ entstand als Vorarbeit zu einem unausgeführt gebliebenen Denkmal für den 1908
verstorbenen Maler Walter Leistikow. Durch die gemeinsame Arbeit in der
Berliner Secession und im künstlerischen Ansatz der Naturdarstellung mit
Leistikow eng vertraut, wurde Gaul mit dem Denkmalsentwurf beauftragt. Die
Planungen des Bildhauers sahen eine langgestreckte Bankanlage aus Stein vor,
darin, auf einer mittig erhöhten Stele, das Porträtrelief Leistikows sowie zwei
flankierende Rehe an beiden Enden der Anlage (WVZ Gabler 2007, 188–190). Aus
diesem Werkkontext haben sich sowohl Güsse der beiden kleinformatigen Entwurfsmodelle
aus dem Jahre 1913 (WVZ 189, 190) erhalten als auch die für die
Denkmalsausführung entsprechend vergrößerten Fassungen (WVZ 253, 254). Im
Gegensatz zu seinem Pendant löst das „Große sichernde Reh“ die streng symmetrische
Anlage durch eine gezielte Wendung des Kopfes auf und antizipiert in seiner
Gestaltung die räumliche Aufstellungssituation: Mit gespitzten Ohren und nach
oben gerecktem Maul scheint es wachsam die sich nähernden Betrachter:innen zu wittern,
gleichzeitig sind die spitzen Ohren, die filigran modellierten Beine sowie die
kompakte silhouettenhafte Form des Körpers ganz auf eine Fernwirkung der
Plastik ausgerichtet. Entgegen früheren Angaben sind keine Güsse zu Lebzeiten
Gauls gesichert, jedoch war 1921, kurz nach dem Tod des Bildhauers, eine
Auflage von fünf Nachlassgüssen genehmigt worden. | Yvette Deseyve