Landschaft bei Dresden Verso: Aktskizze (um 1909)
Objektbeschreibung
Zu Heckels Werken der Dresdner Zeit gehören zahlreiche Stadtlandschaften. Es sind keine klassischen Veduten mit bekannten Bauwerken, sondern sie zeigen die alltägliche Umgebung, wie hier den Wassergraben in Dresden-Gruna neben einem Volkspark rechts und zwei Gasometern links. „Unmittelbar und unverfälscht“ (Programm der Brücke, 1906, in: Geheimnis der Materie. Kirchner, Heckel, Schmidt-Rottluff, Ausst.-Kat. Städel Museum, Frankfurt am Main, 2019, S. 21, Nr. 1) wollten die Brücke-Künstler ihre individuelle Wahrnehmung der Welt künstlerisch ausdrücken. Die intuitive, schnelle Malweise und die psychologisch empfundene Farbgebung wurden zu ihren Mitteln, um die persönliche Stimmung des erlebten Augenblicks so spontan wie möglich umzusetzen. Das Gelb des Himmels und das übersteigerte Rot des Weges vermitteln einen emotionalen Wert. Im Grün der Bäume sind Akzente in strahlendem Gelborange gesetzt, deren malerischer Sinn darin besteht, die Leuchtkraft durch den komplementären Kontrast zu steigern. In der farblich vom gesehenen Naturvorbild gelösten Darstellung zeigt sich Heckels reifer Brücke-Stil nun in voller Blüte. Charakteristisch für seine Handschrift ist die Vorliebe für grafische Elemente wie hier die mit schwarzem Pinsel gezeichneten Linien des Brückengeländers. So entsteht ein lebendiges Wechselspiel aus einheitlichen Farbflächen und kleinteiliger gestalteten Linien. | Janina Dahlmanns