Die beiden Schwestern
Objektbeschreibung
In Dresden arbeitete Heckel eng mit Ernst Ludwig Kirchner zusammen; häufig malten sie gemeinsam nach denselben Modellen in ihren Atelierwohnungen. Im Hintergrund des Gemäldes „Die beiden Schwestern“ ist mit dem ovalen Ornament auf gelbem Grund der Vorhang erkennbar, der bei Kirchner in der Berliner Straße 80 verschiedene Bereiche des Ateliers voneinander abtrennte. Er ist in zahlreichen Zeichnungen, Aquarellen und Gemälden von Heckel und Kirchner zu sehen (beispielsweise in Heckels „Atelierszene“, 1910/1911, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Dauerleihgabe Nachlass Erich Heckel). Der Tisch, an dem die beiden Aktfiguren sitzen, ist bemalt und mit Schnitzereien geschmückt. Die eigenhändige Ausstattung der Ateliers war ein Ausdruck der Motivation, Kunst und Leben als Einheit zu begreifen. Mit Möbeln, Gebrauchsgegenständen und Wanddekorationen setzten die Brücke-Mitglieder ihre künstlerische Vorstellung einer an indigene Kunstformen orientierten Gestaltung um. Die wichtigsten Modelle für die Arbeiten beider Maler waren ihre Lebensgefährtinnen sowie zwei junge Mädchen aus der Nachbarschaft. Besonders auffällig erscheinen immer wieder das Mädchen Franziska (Fränzi) Fehrmann, erkennbar an der markanten Schleife im Haar und der mageren, kindlichen Körperform (vgl. Max Pechstein, „Sitzendes Mädchen [Moritzburg]“, A II 1068). In der alles Posierende ablehnenden Haltung und dem Streben nach Natürlichkeit zeigt sich der Wille der Brücke-Künstler, das Aktmotiv auf neue, durchaus provokante Weise darzustellen. Die Akt-Darstellung Minderjähriger wird heute ethisch-moralisch kritisch hinterfragt. | Janina Dahlmanns