Ornamentaler Kubismus Nr. 11
Objektbeschreibung
„Ornamentaler Kubismus Nr. 11“ entstand in Berlin. Das Gemälde gehört zu einer Serie von über 40 Bildern. Die zu ihnen führende Entwicklung hatte bereits vor Charchounes einjährigem Berliner Aufenthalt 1922/1923 begonnen und fand nun weitere Ausarbeitung. Typisch für die Serie sind die reduzierte Farbpalette aus Grau, Weiß und Beige, der grobe Farbauftrag sowie der symmetrische Bildaufbau, den der Künstler schon seit fast zehn Jahren nutzte. Erst durch die Symmetrie werden die abstrakten geometrischen Formen in seinem Gemälde als Stillleben aus Tisch, Vase und Lampe erkennbar. Selbst die Signatur des Künstlers ist symmetrisch angelegt, mit dem kyrillischen „СШ.“ Unten links als Pendant zum „SCH“ unten rechts (С entspricht dem lateinischen S; Ш wird auf Französisch als Ch transkribiert, auf Deutsch als Š oder Sch). Mit seiner Serie bezog sich Charchoune auf Vorbilder des analytischen Kubismus von Pablo Picasso und Georges Braque. Das Bild widersetzt sich der konventionellen Perspektive, denn Räumlichkeit entsteht durch Überschneidungen von Tischbein und -platte, Vase, Lichtkugel und Lampe. Der Künstler hatte sich nach seiner Auswanderung aus Russland 1912 zunächst in Paris niedergelassen. Während des Ersten Weltkriegs zog er nach Barcelona und anschließend zurück nach Paris. Zu dieser Zeit setzte er sich mit dem Kubismus und auch mit Dada auseinander, eine Beschäftigung, die während seines Intermezzos in Berlin anhielt. Hier zeigte er seine Werke neben anderen avantgardistischen Arbeiten bei der „Ersten Russischen Kunstausstellung“ in der Galerie Van Diemen, in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm sowie mit der Novembergruppe. | Emily Joyce Evans