Nationalkomitee Freies Deutschland
Objektbeschreibung
Im Auftrag des Armeemuseums der DDR erarbeitete Tübke neben zahlreichen Zeichnungen (vgl. Kupferstichkabinett, Berlin, SZ Tübke 4) und Studien insgesamt sieben Ölbilder zum Thema. Das Gemälde der Nationalgalerie bildet den Abschluss der Serie. Das Nationalkomitee Freies Deutschland (NKFD) wurde 1943 unter der Ägide des Zentralkomitees der KPD und des sowjetischen Geheimdienstes GRU (Hauptverwaltung für Aufklärung) von kriegsgefangenen Soldaten und Offizieren sowie kommunistischen Emigranten gegründet. Tübke zeigt das Gründungstreffen im Juli 1943 im Lager Krasnogorsk bei Moskau. Vor den Toren der brennenden Stadt häufen sich Flugzeugwracks zu apokalyptischen Trümmergebirgen. Links die Menge der Kriegsgefangenen und Emigranten, rechts hält Erich Weinert als NKFD-Präsident eine Rede mit der zum kommunistischen Gruß erhobenen linken Faust. Hinter ihm sind die Anführer der Emigrierten Anton Ackermann, Willhelm Florin, Wilhelm Pieck (im braunen) und Walter Ulbricht (im weißen Mantel) versammelt. In zweiter Reihe könnten Rudolf Herrnstadt und Alfred Kurella, die Verfasser des programmatischen Manifestes des NKFD, abgebildet sein. Als Rückenfiguren dargestellt sind eventuell der Sekretär der Komintern Dmitri Manuilski und Alexander Schtscherbakow von der politischen Hauptverwaltung der Roten Armee, die von russischer Seite an der Vorbereitung des Nationalkomitees beteiligt waren. In den Augen Stalins war das NKFD – nach Einschätzung Ackermanns – eher eine deutsche Schattenregierung, wohingegen Kurella sein Manifest als erstes Staatsdokument des Neuen Deutschland sah. Das NKFD wurde unmittelbar nach Kriegsende aufgelöst. | Oliver Seifert