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Sinnendes Mädchen


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Objektbeschreibung

Seit Anfang April 1947 lehrte Lachnit als Professor für Malerei an der wiedereröffneten Hochschule der Bildenden Künste in Dresden. Er versuchte durch arrangierte Kompositionen, wie hier einem weiblichen Modell neben einem Stuhl mit drapierten Tüchern und Früchten, zunächst die formalen Werte eines Bildes zu vermitteln. Grundlegend schienen ihm die theoretischen Überlegungen des Briten Clive Bell zu sein. Dessen in deutscher Übersetzung 1922 bei Paul Westheim in Dresden publizierte Schrift „Kunst“ hatte er schon als junger Mann studiert. Es ging Bell um die Schaffung einer bedeutsamen ästhetischen Form mithilfe von Linie, Form und Farbe. Dem Vorwurf des „Formalismus“ versuchten die Schüler Lachnits und Lachnit selbst durch Anlehnung an die Frührenaissance zu entgehen, entsprechend orientierte er auf die Leimfarbenmalerei, wie sich mehrere Schüler noch nach Jahren erinnerten. „Während alle anderen Klassen mit Ölfarben malten, arbeiteten wir bei Lachnit ausschließlich mit Leimfarben. Die Bildkomposition war uns wichtig und Piero della Francesca unsere Ikone.“ (Christian Kirsten, Erinnerung an Lachnit, in: Wilhelm Lachnit, Ausst.-Kat., Dresden, 2012, S. 178) Bei dieser Komposition heben sich das Mädchen, in reduzierter Form- und Farbbehandlung wiedergegeben, und das Stuhlstillleben, ebenfalls in Gelb und Braun gehalten, von dem hellblauen Hintergrund ab, ein stärkerer blauer Streifen hinterfängt das leuchtend gelbe Tuch und setzt rechts einen kräftigen Akzent zu dem Mädchen links. | Angelika Wesenberg