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Schwarzer Mond


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Objektbeschreibung

In Astrologie und Alchemie, Kunst und Literatur steht der schwarze Mond für den Ort, an der Licht und Dunkelheit, Leben und Tod, Wissen und Unwissen aufeinandertreffen. Dieses Sinnbild für die ebenso verführerischen wie verstörenden Schattenseiten der Realität greift Rainer in mehreren seiner Werke auf. „Schwarzer Mond“ zeigt einen in schwarzer Farbe gemalten, abnehmenden Sichelmond auf weißem Grund. Das Bild enthält die für Rainer typische Überlagerung von Farbschichten, wobei das beinahe abstrakte Mondmotiv in der Bildmitte einen kraftvollen Fokus bildet. Die gesamte Bildfläche weist Spuren des Malprozesses auf, darunter Flecken und Fingerabdrücke, die den Akt der Übermalung selbst betonen. Das Motiv des schwarzen Mondes taucht in Rainers Werk insbesondere ab Ende der 1950er-Jahre auf. Schon in dieser Zeit bearbeitete er sowohl seine eigenen Werke als auch die anderer Künstler*innen. 1961, im Entstehungsjahr des vorliegenden Bildes, übermalte – und signierte – er beispielsweise eine preisgekrönte Radierung der Künstlerin Helga Pape bei der Eröffnung der Ausstellung „Junge Stadt sieht junge Kunst“ in Wolfsburg. Auf diese umstrittene Aktion folgten eine gerichtliche Verurteilung einerseits und bedeutende Ausstellungen in Düsseldorf, Karlsruhe, Mailand, Tokio und Paris andererseits. So zerstörerisch das Übermalen erscheinen mag, für Rainer war es ein Akt der Liebe, der Vervollkommnung. | Catherine Nichols