Spheric Theme
Objektbeschreibung
Der Konstruktivist Gabo, der sich von dem stark politisch motivierten Konstruktivismus Vladimir Tatlins abgrenzte, hatte ein freies Kunstverständnis, dem es darum ging, die Prinzipien von Raum und Zeit zu veranschaulichen, wie er mit seinem Bruder Julius Pevsner im „Realistischen Manifest“ von 1920 darlegte. Durch ein Ingenieursstudium geprägt, nahm Gabo in seinen Arbeiten vor allem Strukturen und Gestaltungsprinzipien der Natur auf, sah diese darin übersetzt und wollte sie nicht als Abstraktionen verstanden wissen. Die raumgreifende Konstruktion aus zu einer unendlichen Schleife verbundenen, gebogenen Edelstahlblechen zeichnet ein „Sphärisches Thema“ nach – die Konstruktion einer Kugel ohne dabei ein reales Volumen zu schaffen. Der Dominanz der Flächen wird in der Bewegung um die Skulptur mit den sich immer wieder ergebenden Öffnungen und den deutlichen Kanten das Prinzip der Durchlässigkeit entgegengesetzt: Lichtdurchlässigkeit und Reflexionen, Durchblicke und in der beständigen Gesamtform der Kugel wechselhafte Einzelansichten bestimmen ihr Wesen. Zugleich verleihen die dünnen, durchscheinenden Drähte der Konstruktion Feinheit und Zartheit. Als Freund und Bewunderer Mies van der Rohes stimmte Naum Gabo die Aufstellung des „Spheric Theme“ im Innenraum der Neuen Nationalgalerie erfreut zu. Die Arbeit selbst bezeichnete er als „eine meiner größten Leistungen im Sinne des konstruktivistischen Gedankens in der Bildhauerei.“ („one of my principal achievements in the Constructive Idea in sculpture“, Brief an Werner Haftmann, 1971, Bildakte, Neue Nationalgalerie) | Sintje Guericke