L'épingle de sûreté
Objektbeschreibung
1934 schloss sich der Spanier Domínguez in Paris den Surrealisten um André Breton an. Sein im selben Jahr entstandenes Gemälde „Sicherheitsnadel“ erinnert an eines der bevorzugten Spiele der Gruppe, den „cadavre exquis“ (köstlicher Leichnam): Beim gemeinsamen Verfertigen eines Textes oder Bildes übernimmt jeder Spieler einen Part, ohne die Beiträge der anderen zu kennen. So entstehen auf einem jeweils umgeknickt weitergereichten Stück Papier sonderbare Sätze oder Gestalten. Wie in der figurativen Version des Spiels entwickelt sich auch Domínguez’ Gemälde von unten nach oben. Aus vulkanartigen Kegelformen erwächst zur Linken eine kleine zarte Frau mit einem trichterartigen Gebilde, während rechts aus den geschwungenen Formen einer Nähmaschine die Figur eines gehörnten Pferdeskeletts entsteht. Aus seinem weiß gezähnten Maul hängt eine nabelschnurartige, in die Lüfte emporsteigende Form. Über einer weiten Wasser- oder Wolkenlandschaft schlingt sich diese Schnur wie das Laken eines Ausbrechers zu einem Knoten, wandelt sich weiter zu den Beinen und Pobacken einer jungen Frau im roten Korsett, deren Kopf von einem weißen Tuch umhüllt ist. Krönender Abschluss der zwischen glühenden Rot- und kühlen Blautönen changierenden Figuration ist eine durch das Tuch gestochene, überdimensionierte, geöffnete Sicherheitsnadel, deren Spitze das exakte Gegenteil ihrer selbst verheißt: Nichts ist hier sicher, weder der Halt dieser Konstruktion noch der Fortlauf ihrer Entwicklung. Bei Domínguez erzeugt die unvermutete Begegnung verschiedener Figuren eine Dynamik der Fantasie, die der surrealistischen Ästhetik immer wieder zu schockartigen Einbrüchen ins Leben verhilft. | Kyllikki Zacharias